Berlin, Theater am Kurfürstendamm (Bild: Thomas Grünholz)

Der letzte Vorhang am Kudamm

Im April nannte der Dramatiker Rolf Hochhut den bevorstehenden Abriss der Berliner Kudamm Bühnen einen Skandal. Sein Stück „Der Stellvertreter“ wurde hier 1963 unter der Regie von Erwin Piscator uraufgeführt. Bereits 1921 eröffnete man die plüschig-goldenen Säle des Doppel-Hauses, entworfen vom Architekten Oskar Kaufmann. Max Reinhardt etablierte hier in den 1920ern ein Boulevardtheater, das es vorher nur in London und New York gab. 1942 werden die Häuser vom NS-Propagandaministerium verstaatlicht, 1947 wiedereröffnet, zunächst als Kino, dann zieht dann die Freie Volksbühne ein. Der einst enteignete Betreiber Hans Wölffer übernimmt die Komödie 1950 wieder. „Wolln’se was verdienen, dann kommn’se zu uns!“ – so lockt er bekannte Schauspieler wie Inge Meysel, Katharina Thalbach und Harald Juhnke in sein Theater.

In den 1990ern gerät das Grundstück in Filetlage mit mehreren Eigentümerwechseln zum Spekulationsobjekt. Der nun erarbeitete Kompromiss zwischen Investor Cells Bauwelt, Senat und Intendant Martin Wölffer sieht vor, dass die Bühnen nach der Spielzeit abgerissen werden. Zunächst soll das frühere Schiller-Theater in Charlottenburg als Ersatzspielstätte dienen. Dann soll in dem an alter Stelle neu errichteten Gebäude ein Kellergeschoss als Bühne dienen. Am 26. Mai gibt es ein Abschiedsfest mit vielen Künstlern, Wegbegleitern und Theaterfreunden, tags darauf fällt der letzte Vorhang. (db, 25.5.18)

Berlin, Theater am Kurfürstendamm (Bild: Thomas Grünholz)