In der Altstadt von Emden steht ein Zwerg mit einer Zipfelmütze: der 1927-29 nach Plänen der Stadtarchitekten Walter Heim und Walter Luckau direkt an der Boltentorbrücke errichtete Pavillon. Der Klinkerbau diente als Bedürfnisanstalt und als Kiosk und bildet bis heute ein Ensemble mit der Brücke. Was ihn auszeichnet, ist doie Verbindung unterschiedlicher Stilelemente. Zum einen zitiert er die Chinoiserie des 18. Jahrhunderts, eine Epoche, in der Europa die Ästhetik und Kunst Chinas zur Mode erklärte und vor allem in Porzellan, Stoffen und Tapeten aufgriff. Kombiniert wird dies mit der expressionistischen Moderne. Schon recht bald nach seinem Bau büßte der Pavillon sein markantes Dach ein: 1940 machte Emden Hitler das kupferne Dach als „Geburtstagsspende des Deutschen Volkes“ und damit der Kriegsindustrie zum Geschenk. Als Ersatz wurde ein Flachdach aufgesetzt, ohnehin war der Rundbau für den baldigen Abriss vorgesehen.
Doch weder Krieg noch das abrissfreudige Wirtschaftswunder setzten dem Brückenpavillon zu: Er blieb einfach stehen und erhielt 1981 schließlich seine kupferne Zipfelmütze zurück. Das liegt auch schon wieder 45 Jahre zurück, und längst besteht erneut Sanierungsbedarf. Die hölzernen Fenster und Türen im Inneren sind marode, das Mauerwerk durch eindringende Feuchtigkeit bedroht. Bereits seit vergangenem Jahr sammelt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) Geld für die Instandsetzung des denkmalgeschützten Baus und hat bereits eine restauratorische Voruntersuchung unterstützt. Wer also für den expressionistischen Asia-Kiosk spenden möchte, kann dies hier tun. (db, 10.7.26)
Emden, Brückenkiosk (Bild: Matthias Süßen, CC BY-SA 4.0)

