Das 1968-70 errichtete Buchhaus Wittwer am betonseligen Kleinen Schlossplatz ist vielen Stuttgarter:innen ein Dorn im Auge. Für Architektur-Nerds ist es hingegen Pilgerort und beliebtes Fotomotiv: Der Brutalismus-Bau, damals im Auftrag von der Girokasse Stuttgart und des Verlagsbuchhändlers Konrad Wittwer realisiert, ist ein Entwurf von Hans Kammerer (1922-2000) und Walter Belz (1927-2009). Er ist Teil des in Zusammenarbeit mit Max Bächer (1925-2011) Ende der 1960er gestalteten Platzes. Die prominente Urheberschaft scheint aber nichts zu nutzen. Gerüchte waren Laut, seit bekannt wurde, dass die Buchhandlung Wittwer (seit 2018 Teil der Thalia-Kette) den Standort aufgeben will – und nun ist die Katze aus dem Sack: Das Gebäude an der Königstraße 30-32 soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.
Bis Ende 2027 sollen sämtliche Mieter ausgezogen sein, 2028 ist der Rückbau der oberen Etagen vorgesehen. Es ist geplant, Teile der Untergeschosse und des Erdgeschosses zu erhalten. Entstehen soll das Übliche: eine gemischte Nutzung mit Einzelhandel, Gastronomie, Büros und Dienstleistungen. Wie diese aussehen soll, ist noch nicht klar: Hierüber soll ein Wettbewerb entscheiden. Unklar ist auch, ob in Zeiten des Klimawandels der Abbruch des Gebäudes nun wirklich alternativlos ist. Bis 2030 soll der Neubau – Stand heute – fertiggestellt sein. Die Aufnahme in das Verzeichnis #SOS Brutalism vor einigen Jahren mutet jetzt geradezu prophetisch an. (db, 13.3.26)
Stuttgart, Buchhaus Wittwer (Bild: Ekkehard Mantel)

