The Evidence Room mit 1:1 Modellen und Gipsabdrücke der Gassäule, gasdichter Tür und Luke von Auschwitz (Konzeption: Robert van Pelt und Studierende der University of Waterloo School of Architecture. 15. Architekturbiennale Venedig 2016, Bild: Uni Kassel)

Die Holz­ba­ra­cke

Die Holzbracke ist ein Produkt der globalen Moderne, so die These des niederländischen Architekturhistorikers Robert Jan van Pelt in seiner Vorlesungsreihe, die in diesem Herbst in Kassel startet (jeden Donnerstag ab 18 Uhr ab dem 28. Oktober im Campus Center der Universität Kassel, Moritzstraße 18, Hörsaal 3, oder digital). Der Ursprung der Holzbaracke geht, so van Pelt, bis ins 17. Jahrhundert zurück. In diese Geschichte haben sich demnach österreichisch-ungarische Militärpraktiken, die US-amerikanische Holzbauweise, den britischen Kolonialismus, die deutsche Normung, die Industrialisierung, Pandemien, die beiden Weltkriege und den Holocaust eingeschrieben. Da die Baracke billig und schnell herzustellen ist, vielseitig nutzbar und mobil ist, sei der Prototyp des modernen Bauens, universell und international noch dazu.

Van Pelt gilt als renommierter Experte für die Baugeschichte des KZ Auschwitz, er tritt seine einsemestrige DAAD-Gastprofessur an der Universität Kassel an. An seiner Antrittsvorlesung am 21. Oktober 2021 um 18 Uhr im Campus Center der Universität Kassel (Moritzstraße 18, Hörsaal 6) können Interessierte im digitalen Livestream teilnehmen. In seinen jüngsten Forschungen befasste sich van Pelt mit der Globalgeschichte der Holzbaracke sowie mit der Konzeption des „jüdischen Raumes“. Er ist architektonischer Berater des Babyn Yar Holocaust Memorial Center und Professor für Architekturgeschichte an der Waterloo University, Canada. Zu Ehren von Robert van Pelt veranstaltet die Universität Kassel vom 21. bis zum 23. Oktober 2021 das Symposion “Denkmal-Kontroversen” über umstrittene Gedenkorte in Kassel – mit einem Stadtspaziergang, acht Diskussionen und Streitgesprächen zum Thema. Das detaillierte Programm und die Daten zum Livestream sind online zugänglich. (kb, 19.10.21)

The Evidence Room mit 1:1 Modellen und Gipsabdrücke der Gassäule, gasdichter Tür und Luke von Auschwitz (Konzeption: Robert van Pelt und Studierende der University of Waterloo School of Architecture. 15. Architekturbiennale Venedig 2016, Bild: Uni Kassel)