Bialetti-Mokkakocher (Bild: Jordon Smith, CC BY 3.0)

Eine Designikone wurde beigesetzt

Es gehört zu den Ungerechtigkeiten der modernen Designgeschichte, dass Kaffeekochern wesentlich mehr Sexappeal zugestanden wird als Teekannen. Vielleicht liegt das auch ein wenig daran, dass Italien, das Mutterland allen futuristisch-chromglänzenden Designs, eine Kaffeenation ist. Alfonso Bialetti (1888-1970) wusste, diese Tugenden zu Geld zu machen: 1933 entwarf er „La Moka“, den bis heute stilprägenden Mokkakocher. Streng genommen handelt es sich um einen Kaffeeperkolator, dessen typisch achteckiger Fuß direkt auf Gasflamme oder Kochplatte gesetzt wird.

Aber wer denkt bei so viel Schönheit an schnöde Technik. Zudem ist der Kaffeebereiter vielfach verwendbar, wie sich vor zwei Tagen im norditalienischen Casale Corte Cerro zeigte: Zur Trauerfeier von Renato Bialetti (1923-2016), Sohn von Alfonso, wurde eine Urne in der klassischen Kaffeekocherform verwendet – „La Moka“. Hatte Renato Bialetti die Erfindung seines Vaters doch nach dem Krieg zum Klassiker entwickelt. Zuletzt zierte sein Gesicht, als comic-haftes schnauzbärtiges Männchen mit erhobenem Finger, sogar die Kanne. Die italienische Zeitung „La Stampa“ nannte Renato eine „Ikone des Made in Italy“. Darauf einen Earl Grey! (kb, 18.2.16)

Vielseitig verwendbar: Bialetti-Mokkakocher (Bild: Jordon Smith, CC BY 3.0)