Endlich geht es weiter mit Veranstaltungen in der Reihe „Jüdische Architekten in Berlin“, die seit 2023 einen neuen Blick auf Bauschaffende und Stadtplanende zwischen Vertreibung und Exil eröffnet. Jeweils dienstags finden die Vorträge um 19.00 Uhr in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin im Repräsentantensaal (Oranienburger Straße 29, 10117 Berlin) statt. Am 2. Juni dreht sich das Referat der Bauhistorikerin Dr. Brigitte Jacob um Marie Frommer. Sie gilt als Deutschlands erste promovierte Architektin. In ihrer Selbstständigkeit gestaltete sie die gesamte Bandbreite von Laden bis Bank, von Büro bis Hotel. Frommer emigrierte 1936 nach England, danach in die USA, wo sie sich nach 1948 eine erfolgreiche Karriere aufbauen konnte.
Es folgt am 9. Juni ein Vortrag von Dr. Eduard Kögel zum Architekten „Rudolf Hamburger – im Dickicht der Geheimdienste“. Nach seinem Studium in Berlin, u. a. unter Hans Poelzig, zog es ihn mit der Weltwirtschaftskrise 1930 nach Shanghai. Nicht zuletzt durch seine Frau Ursula, die beim sowjetischen Geheimdienst anheuerte, verschlug es Hamburger über Polen und die Schweiz 1939 zurück nach China. Nach verschiedenen Gefängnisaufenthalten, zuletzt im GULAG, zog er 1955 in die DDR. Die Autorin Brigitte Reimann formte nach ihm eine Figur im Roman „Franziska Linkerhand“. Im Oktober 2026 sollen zwei weitere Vorträge zum Thema folgen: am 6. Oktober spricht David Pessier über Arthur Korn, am 13. Oktober berichtet Wolfgang Schäche über Alfons Anker. (kb, 2.6.26)

Marie Frommer, Filiale eines Schweizer Versicherers in Berlin (Bild: Architectural Report, 1948)
