Seit Jahren prangt über dem Eingangsportal zum ikonischen ICC in Berlin (Internationales Congress Centrum) ein knallrotes Banner mit dem Spruch: „Dauert noch ein bisschen, aber wird mega!“ Gemeint ist die Wiedereröffnung und Nachnutzung des von den Architekt:innen Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte entworfenen und von 1973–1979 errichteten Kongresszentrums, das nun seit 2014 leer und seit 2019 unter Denkmalschutz steht. Geliebt wird der Bau in Berlin, ohne Frage. Als er letztes Jahr zum Tag des offenen Denkmals 48 Stunden rund um die Uhr zu besichtigen war, standen die Besucher:innen Schlange, die Zeitkarten waren innerhalb von Minuten ausgebucht und im Landesdenkmalamt standen die Telefone nicht mehr still. Jede:r wollte mal wieder die umfassend und authentisch erhaltene Innenausstattung des großen Space Ships sehen und natürlich hören, was und wann es denn nun endlich mega wird.
Spoiler: beantwortet ist diese Frage nun auch nicht wirklich. Aber am letzten Mittwoch, dem 24. Juni 2026, gab die zuständige Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey laut Bericht des rbb bekannt, dass mit der MIB ein Hauptprojektentwickler gefunden sei. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Nachnutzung und Wiederbelebung historischer Industrieareale und hat dazu unter anderem in Leipzig und Chemnitz Erfahrungen vorzuweisen. Mit Im Team sind möglicherweise auch die Architekturbüros Max Dudler und Graft, das Bauunternehmen Hochtief, die Nachhaltigkeits- und Designagentur Arup und der Kreativ-Projektentwickler Coloured Fields. Sie haben nun zwei Jahre Zeit, ihre große Vision realisierbar darzustellen. Geplant ist ein Kulturzentrum mit begrünten Dächern und Parks, in dessen Umgebung Hochhäuser entstehen sollen, um den Solitär besser mit der Stadt zu verbinden. Für den Bau selbst ist ein Kulturquartier vorgesehen, das mit Gewerbe, Hotel und Gastronomie, vielleicht auch mit Museen und Bibliotheken zu allen Tageszeiten belebt sein kann. Und der Denkmalschutz? Derzeit sehen die Pläne offenbar vor, Saal 1 zu erhalten, Saal 2 jedoch umzubauen. Allerdings: die Finanzierung ist noch nicht gesichert. Es wird also vielleicht, und vielleicht auch mega. (pk, 1.7.26)

Berlin, ICC, Architekt:in: Ursulina Schüler-Witte und Ralf Schüler, 1973–1979 (Bild: Alfred Englert, 2014)
