Sie brachten der Schweiz in den 1960ern Brutalismus bei und haben auch später in jeder architektonischen Formensprache bemerkenswerte Bauten in ihrem Heimatland geschaffen: Esther und Rudolf Guyer lernten sich 1950 während des Studiums an der ETH Zürich kennen. 1953 absolvierten beide ein Praktikumsjahr in Rom. Anschließend gingen sie für drei Jahre in die USA, arbeiteten in Columbus und 1958/59 in New York. Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz entstand unter anderem das bereits 10 Jahre zuvor geplante Triemli-Hochhaus (1966), das internationales Flair nach Zürich brachte. Von den Lesern einer Boulevard-Zeitung wurde es 2018 zum „hässlichsten Haus der Schweiz“ gewählt – während es bei den Bewohner:innen bis heute beliebt ist, und ist auch Gegenstand eines 2022 erschienenen Buchs.

Auch kirchliche Projekte wie das Seminar Kreuzlingen (1972) und die Kirche Glaubten (1972) realisierten Guyer & Guyer, ihr Schulhaus Stettbach (1964-69) lehnt sich ausdrücklich an Le Corbusiers Kloster La Tourette an. Später befassten sie sich zudem mit denkmalgerechter Sanierung und Weiterbau wie 1982 bei der Umgestaltung der Kartause Ittingen. Postmoderne Einflüsse zeigen sich schließlich im zitatreichen Stadthaus Dietikon (1992). In dieser späten Zeit ihres Schaffens betreibt ihr Sohn Mike Guyer (*1958) bereits mit seiner Partnerin Anette Gigon (*1959) das eigene Büro Gigon Guyer Partner Architekten. 1998 schlossen Esther und Rudolf Guyer ihr Büro, wie alles Wichtige gingen sie diesen Schritt zusammen. Bereits am 20. März schied das Ehepaar nun gemeinsam und selbstbestimmt durch begleitete Sterbehilfe aus dem Leben. Esther Guyer wurde 94, Rudolf Guyer 97 Jahre alt. (db, 5.5.26)

Dübendorf Stettbach, Schulhaus (Bild: Port(u*o)s, CC BY-SA 4.0)

Dübendorf Stettbach, Schulhaus (Bild: Port(u*o)s, CC BY-SA 4.0)

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