Marl, Rathaus, Treppe am Sitzungstrakt (Van den Broek & Bakema, 1964-65) (Bild: Moritz Kappen)

„Eventuell für Jahrhunderte gebaut“

Für die am nördlichen Rand des Ruhrgebiets gelegene Stadt Marl wurden kleinere Bergarbeiterdörfer und-siedlungen zusammengelegt. Die Bevölkerungsprognosen prophezeiten, dass sich hier eine Großstadt entwickeln sollte. So errichtete man in Marl in den 1960er- und 1970er-Jahren ein modernes Zentrum mit Rathaus, Wohnhochhäusern und Einkaufszentrum. Nach den Zechenschließungen kämpft die schrumpfende Stadt heute mit Arbeitslosigkeit, Leerstand und sozialen Problemen.

Das Rathaus Marl (van den Broek und Bakema 1957, 1960-67) steht als stellvertretend für eine Vielzahl öffentlicher Bauten, die im Geiste der Nachkriegsmoderne errichtet wurden. Heute drängt die Frage, wie schützenswerte Gebäude dieser Epoche erhalten werden können. Für manche stehen sie für überwundene politische wie gesellschaftliche Zeiten, für manche sind sie als radikaler Ausdruck architektonischer Utopien schützenswert. Genau 50 Jahre nach Fertigstellung des Rathauses – und begleitend zu den Skulptur Projekten Münster 2017– soll das von Alexandra Apfelbaum herausgegebene Buch „Eventuell für Jahrhunderte gebaut“ zu diesem Diskurs beitragen: Fachbeiträge und Fotografien des Gebäudes mischen sich mit historischem Bildmaterial und Textfragmenten Das Buch ist bewusst als Materialsammlung angelegt, die dem Leser unterschiedliche Sichtweisen aufzeigen und zur weiteren Diskussion anregen soll. (kb, 10.5.17)

Apfelbaum, Alexandra (Hg.), „Eventuell für Jahrhunderte gebaut“. Das Rathaus Marl. Ein Essay in Bildern, Verlag Kettler, Dortmund 2017, 192 Seiten, 19 x 26 cm, ISBN 978-3-86206-656-8.

Marl, Rathaus, Treppe am Sitzungstrakt (Bild: Moritz Kappen)