Fassadismus bei Auto-Kittner

Nachkriegsmoderne als Spolie? Dem Kittner-Gebäude in Travemünde droht Unschönes (Bild: Wilfried Dechau)
Nachkriegsmoderne als Spolie? Dem Kittner-Gebäude in Travemünde droht Unschönes (Bild: Wilfried Dechau)

Die Kittner-Gruppe war einst Norddeutschlands größte Autohandelskette. 2012 wurde das Unternehmen abgewickelt, viele Autohäuser verkauft und etliche geschlossen. Zu ihnen zählt auch der 1954 eröffnete Autosalon in Lübeck-Travemünde. Der Bau nach Plänen des Architekten Waldemar Hüsing steht unter Denkmalschutz, mehrfach diente er als Kulisse für Berichte in Oldtimer-Zeitschriften. Im Zuge der Neubebauung des Kittner-Areals droht dem geschwungenen Pavillon des einstigen VW-Händlers nun das Schicksal, zur Dekoration degradiert zu werden.

Am 25. Juni hat die Bürgerschaft der Hansestadt Lübeck dem von der Hamburger Investorengemeinschaft Otto Wulff Bauunternehmung und wph Wohnbau und Projektentwicklung Hamburg entwickelten Bebauungsplan für das Areal am Godewindpark zugestimmt. Ab 2016 entstehen auf rund 10.000 Quadratmetern Nutzfläche über 120 Eigentumswohnungen und Ferienappartements inklusive Tiefgaragen-Stellplätze. Der Kittner-Pavillon wird voraussichtlich in ein viergeschossiges Wohngebäude integriert. Wilfried Dechau, Architekt, Lehrer, Fotograf und Publizist, hat sich jüngst mit dem Schicksal des Baus befasst und ist bei seiner Recherche auf keine sehr beruhigenden Fakten gestoßen. Es hilft nur noch Hoffen – möglicherweise auch auf weitere prominente Fürsprecher dieses Zeugen des Automobil-Wirtschaftswunders. (db, 11.7.15)