Flensburg, "Sexeck" (Bild: fleno.de vcia panoramio, CC BY-SA 3.0)

Finger weg vom Sexeck

Ende der 1950er erwarb die Unternehmerin Beate Rotermund-Uhse (1919-2001) ein Grundstück in der Flensburger Südstadt, um dort ein Bürohaus zu errichten. Schließlich entstand dort im Lauf der kommenden Jahre auf rund 12.000 Quadratmetern das Erotik-Hauptquartier Deutschlands: die Beate Uhse AG. Nach einer Druckerei, Büro- und Garagenkomplexen sowie Lager- und Versandhallen wurde dort ab 1967 der zentrale Verwaltungsbau errichtet. Der Architekt Karl-Heinz Sönnichsen schuf eine aus mehreren Sechsecken zusammengesetzte Bürolandschaft, die Anleihen an der City-Nord in Hamburg und zeitgenössischen Bürobauten in den Niederlanden und der Schweiz nimmt. Noch vor dem Richtfest erhielt der im August 1969 eingeweihte Bau bereits den Spitznamen „Sex-Eck“…

Karl-Heinz Sönnichsen arbeitete ab den 1950ern mit Georg Rieve (1888-1966) zusammen, das Büro zeichnet in Flensburg unter anderem verantwortlich für den 1996 abgerissenen ZOB (1955), den früheren Bommerlunder-Firmensitz (1962-64) und die denkmalgeschützte Kreissparkasse (1958-61). „Flensburg ist um eine Attraktion reicher geworden“, sagte Flensburgs Oberbürgermeister Heinz Adler in der Festrede zur Eröffnung und wünschte dem Unternehmen „allzeit mit Lust und Liebe für die Lust und Liebe tätig zu sein.“ Über 40 Jahre blieb das Gebäude in Besitz der Beate Uhse AG, 2013 verkaufte sie es an die Knutzen-Einrichtungshaus-Gruppe und blieb bis 2019 Mieter von Teilbereichen. Vor Kurzem ist nun das Callcenter „care4as“ im Sexeck eingezogen, und mit der neuen Aufmerksamkeit für die mittlerweile 52 Jahre alte Bürolandschaft wurde auch erstmals überregional bekannt, dass diese unter Denkmalschutz steht. Der Radiosender „NDR Kultur“ vermeldete das Uhse-Gebäude im Juni 2021 als Neuzugang in der Denkmalliste, doch tatsächlich war es schon beim Verkauf an Knutzen vor nunmehr 8 Jahren als Kulturdenkmal eingetragen. (db, 10.7.21)

Flensburg, „Sexeck“ (Bild: fleno.de via panoramio, CC BY-SA 3.0)