Frankfurt, Institut für vergleichende Irrelevanz 2012 (Bild: Karsten Ratzke)

Frankfurt: Kramer-Bau als Geldmaschine

Die Immobilienpreise in Frankfurt am Main sind längst von jeglicher Realität abgekoppelt – und selbst die Politik kann nur noch staunend zusehen. Ausgerechnet ein Symbol gegen den hemmungslosen Kommerz ist nun zum Spekulationsobjekt geworden: Das ehemalige „Institut für vergleichende Irrelevanz“ im Kettenhofweg wechselte vermutlich gerade für 2,9 Millionen Euro den Besitzer – nachdem die Universität es 2012 für etwa 1 Million Euro an die Immobilienfirma Franconofurt AG verkaufte. Diese ließ das seit 2003 von einer linken Studentengruppe mit Leben erfüllte Gebäude räumen, da der Umbau zu Wohnzwecken anstünde. Tatsächlich wurde die Immobilie wenige Monate später zum doppelten Preis weiterverkauft an einen Frankfurter „Häusersammler“. Dieser ließ den Bau entkernen – um ihn vor wenigen Wochen auf einem Online-Immobilienportal für besagte 2,9 Millionen Euro feilzubieten. Die Anzeige ist mittlerweile gelöscht, der neue Eigner des längst unbewohnbaren „spannungsreichen Objekts“ und „Stückes Frankfurter Geschichte“ (O-Ton Anzeige) ist unbekannt.

Das ZDF-Nachrichtenmagazin „Frontal 21“ beschäftigt sich heute, am 30. Mai, ab 21 Uhr unter anderem mit diesem klassischen Spekulationsfall – der im Übrigen ein nicht unbedeutendes Baudenkmal betrifft: Im 1953 errichtete „IvI“ befand sich ursprünglich das Englische Seminar/Amerika Institut der Universität Frankfurt. Der Architekt war Universitätsbaumeister Ferdinand Kramer, dessen radikal schlichte Entwürfe bis heute gleichwohl faszinieren wie polarisieren. Der Bau im Kettenhofweg steht seit der Jahrtausendwende unter Denkmalschutz. (db, 30.5.17)

Frankfurt, Institut für vergleichende Irrelevanz 2012 (Bild: Karsten Ratzke)