Die 1914 errichtete Christuskirche in Oberursel liegt an einem kleinen Park. Der Urselbach läuft hier durch, dazu gibt es einen Weiher, um den ringsum gepflegtes Grün angelegt ist. Seit Anfang November 2025 wird die Idylle dort noch verschönert durch zwei Bronzen, die wohl aus den 1960er Jahren stammen: Ein nackter Knabe näher sich lächelnd einer Gans, die er mit einem Stücken Brot anlockt. So weit, so nett. Allerdings weiß niemand, woher die beiden Skulpturen herkommen: Sie standen plötzlich da! Oberursels Stadtrat und Sozialdezernent Andreas Bernhardt (OBG) sagte der „Frankfurter Neuen Presse“, dass sie weder durch die Stadt noch durch die Kirche aufgestellt wurden. Zwischenzeitlich hatten Unbekannte dem Buben ein buntes Badehöschen übergezogen. Mittlerweile steht er wieder in seiner natürlichen Pracht auf dem Rasen.
Zumindest handelt es sich bei dem kleinen Kunstwerk nicht um reinen Kitsch: Die Darstellung bezieht sich auf das antike Motiv „Knabe mit der Gans“, auch „Ganswürger“ genannt. Diese altgriechische Statuengruppe, die für viele als die schönste antike Kinderstatue überhaupt gilt, entstand etwa 230 vor Christus, ist jedoch nicht erhalten. Eine der bekanntesten Adaptionen, den Münchner Ganswürger, kann man in der dortigen Glyptothek bewundern. Ursprünglich kämpft das Kind freilich mit der Gans. Das friedfertige Exemplar in Oberursel hat mit Gewalt hingegen so gar nichts gemein. Wer der Urheber des Werks ist, hat sich bislang nicht herausfinden lassen – eine Signatur am Boden der Knabenstatue gab keinen Aufschluss. Vielleicht haben Sie ja eine Idee, wer der Künstler der Bronzen sein könnte. Die Frankfurter Neue Presse nimmt via Mail auf tz-oberursel@fnp.de Hinweise entgegen! (db, 12.1.26)
Oberursel, Christuskirche mit Bronzen 2026 (Bild: Daniel Bartetzko)

