Burbank, The Walt Disney Company Office (Bild: Davric, CC BY SA 4.0)

Gebaute Designerdrogen

Hätte man frühen Moderne-Verfechtern wie Adolf Loos oder Walter Gropius prophezeit, dass einmal ein Gebäudegiebel von sieben Zwergen getragen werden würde – sie hätten ihr Gegenüber wohl des Absinth-Wahns verdächtigt. 1986, nur 17 Jahre nach Gropius’ Tod, wurde tatsächlich im kalifornischen Burbank eine solche Karikatur von hoher Virtuosität gebaut: das Walt-Disney-Bürogebäude von Michael Graves. Willkommen in der Postmoderne! Jener ziemlich durchgeknallten Stilepoche widmet sich nun das Buch „Postmodern Architecture. Less is a bore“ von Phaidon Press. Der Architekturhistoriker und Kurator Owen Hopkins sammelt etliche der schrägsten, schönsten, berühmtesten PoMo-Bauten und bedient sich im Titel gleich noch bei Robert Venturi, der damit einst Mies van der Rohes „Less is more“ widersprach.

Ob hier nun tatsächlich – so der Verlag – ein (erstes!) Standardwerk zur Postmodernen Architektur entstanden ist, sei angesichts der subjektiven Gebäudeauswahl dahingestellt. Auch eine stilistische Unterscheidung oder das Erwähnen bestimmter Unterströmungen, die immerhin von den 1960ern bis beinahe in die Gegenwart reicht, ist nicht vorhanden. Doch funktioniert dieses Buch erst mal auch trefflich ohne diese Spezifizierungen: Skurrile Bilder und Zitate zeitgenössischer Architekturkritik sind Genuss genug. (db, 18.3.20)

Hopkins, Owen, Postmodern Architecture. Less is a Bore, Hardcover, 290 x 250 mm, 224 Seiten, 200 Abbildungen, ISBN: 9780714878126.

Burbank, The Walt Disney Company Office (Bild: Davric, CC BY SA 4.0)