Neubrandenburg, St. Josef und Lukas (Neubrandenburg, St. Josef und Lukas, Kirchweihe)

Geld für die Müther-Kirche

Der Bauingenieur und -unternehmer Ulrich Müther (VEB Spezialbetonbau Binz) war und ist berühmt für die von ihm gestaltete doppelt gekrümmte Hyparschale, die von der Strandwache bis zur Veranstaltungshalle vielfach prominente Verwendung fand. Diese Konstruktion galt nicht nur als materialsparend und praktisch, weil sich so große Räume stützenfrei überspannen ließen, sondern überzeugte auch durch ihre ästhetischen Qualitäten. Gerade in Mecklenburg-Vorpommern, gerade auf Rügen, konnte Müther dieser Sonderform ab den 1960er Jahren zu einer beachtlichen Blüte verhelfen. Auch vier Kirchen zwischen Hannover und Rostock zählen zu dem Werk des ostmodernen Gestalters. Eine von ihnen, St. Josef und St. Lukas in Neubrandenburg, soll nun saniert werden.

1980 konnte das Ensemble aus Kirche, Glockenturm, Gemeindesaal und Pfarrhaus mit gleich zwei Hyparschalendächern – eine Zusammenarbeit von Ulrich Müther mit den Architekten Dietrich Otto, Erhard Russow und Harald Heyde – eingeweiht werden. Zur Ausstattung trugen die farbig gestalteten Betonglasfenster der Werkstatt Gröger in Schönebeck bei. Dieses Projekt ersetzte eine 1907 fertiggestellte Kirche an anderer Stelle, die der wachsenden Gemeinde zu klein geworden war. Dieser Bau sollte zudem einer Straßenerweiterung weichen, wurde aber schließlich 1996 für Veranstaltungszwecke umgenutzt. Zur Finanzierung von St. Josef und St. Lukas hatte das Bonifatiuswerk im Rahmen des Sonderbauprogramms aus dem Westen Finanzen beigesteuert. Nun steht eine Sanierung der denkmalgeschützten Kirche mit Beton- und Backsteinoberflächen an. Im Juli diesen Jahres konnte Katy Hoffmeister dafür den Bescheid über eine Förderung von 150.000 Euro an die Gemeinde übergeben. (kb, 19.8.21)

Neubrandenburg, St. Josef und Lukas (Bild: Botaurus, PD, 2009)