El Lissitzky "Wolkenbügel" (1923-25) (Bildquelle: El Lissitzky, Russland. Die Rekonstruktion der Architektur in der Sowjetunion (Neues Bauen in der Welt). Bd. 1, Wien 1930)

Gibt’s gar nicht!

Selten war Scheitern schöner: Ein 150 Meter hohes Denkmal für Isaac Newton. Eine Glaskuppel über Manhattan. Die Spinnenbeine der „Walking City“ von Archigram – Luftschlösser und Fantasiegebilde gab es zu allen Zeiten. Im „Atlas der nie gebauten Bauwerke“ berichtet der Brite Philip Wilkinson auf 256 sehr kurzweiligen Seiten über 50 gescheiterte Projekte aller Epochen. Dahinter stecken die unterschiedlichsten Geschichten – von schierem Größenwahn, verfrühten Visionen, lähmenden Entscheidungsängsten, technischer Unmöglichkeit oder schlicht von Pech!

So der 1892 begonnene Londoner Wembley Tower, den der exzentrische Eisenbahnmanager Sir Edward Watkin initiierte. Leider ging die Baugesellschaft nach Fertigstellung des Sockels pleite … Das Glashochhaus von Mies van der Rohe, geplant 1921 fürs Berliner Spreedreieck, kam nie über das Entwurfsstadium hinaus. Van der Rohe hatte den Wettbewerb nicht gewonnen. Heute steht an diesem Ort das 2009 fertiggestellte Ernst & Young-Hochhaus von Mark Braun. Bisweilen finden sich heute auch deutliche Zitate bekannter unrealisierter Projekte. Es bedarf nicht viel Fantasie, etwa El Lissitzkys „Wolkenbügel“ (1924) in den 2010 fertiggestellten Kranhäusern des Kölner Rheinauhafens (BRT Architekten) zu erkennen. Fazit: Nicht nur für Modernisten lesenswert! (db, 17.1.19)

Wilkinson, Philip, Atlas der nie gebauten Bauwerke. Eine Geschichte großer Visionen, dtv, München 2018, ISBN: 978-3-423-28976-4.

El Lissitzky, „Wolkenbügel“, 1923-25 (Bildquelle: El Lissitzky, Russland. Die Rekonstruktion der Architektur in der Sowjetunion (Neues Bauen in der Welt 1), Wien 1930)