Es ist schon eine kleine Tradition: Der Deutsche Verband für Kunstgeschichte, dessen Rote Liste sich um bedrohte und verlorene Bauten sorgt, verleiht einen Anti-Preis für besonders absurde und sinnlose Abrisse. Dieses Jahr geht die Auszeichnung mit dem schönen Logo an Haltern. Hier wurde die 1955 geweihte Kirche St. Laurentius des Aachener Architekten Otto Bongartz und einer Glasgestaltung von Paul Weigmann im Frühjahr diesen Jahres abgerissen. Was sich nach außen als klar reduzierter Ziegelbau mit Satteldach präsentierte, öffnete sich im Inneren zu einem überraschend weiten, von Parabelbögen überspannten Raum. Schon im März 2023 wurde der Abriss zugunsten des „Campus St. Laurentius“ (Senior:innenwohnheim, Gemeindezentrum u. a.) diskutiert. Zu Pfingsten folgte die Profanierung und, 70 Jahre nach der Weihe, schließlich das Aus für den Nachkriegsbau.

Der Deutsche Verband für Kunstgeschichte begründet seine Entscheidung: „Die Goldene Abrissbirne 2025 versteht sich als Plädoyer für einen offenen Umgang mit Sakralbauten, einem der fruchtbarsten Zweige des baukulturellen Erbes des 20. Jahrhundert. Die Verleihenden leitet die Überzeugung, dass dieses Erbe durch solche Abbrüche unnötig geschmälert wird. Durch andere wichtige öffentliche Diskussionen und Aktionen wie z. B. das Kirchenmanifest von 2024 sehen wir uns in dieser Überzeugung bestärkt.“ Dem Thema war die gemeinsame Aktion #kirchenabriss der Roten Liste mit invisibilis von moderneREGIONAL vorausgegangen. In ihrem Kommentar zur Goldenen Abrissbirne betont Stefanie Lieb vom DFG-Forschungsprojekt Transara, dass es bei dieser Abrisstragödie keine Schuldigen geben. Aber sie betont, dass es gut möglich gewesen wäre, den Bestandsbau in den neuen Laurentiuscmpus zu integrieren. (kb, 19.11.25)

Haltern, St. Laurentius (Bild: Ralf Krob, Mai 2023)

Haltern, St. Laurentius (Bild: Ralf Krob, Mai 2023)

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