Als die Designerin und Architektin Eileen Gray, Tochter einer schottisch-irischen Adelsfamilie, 1976 im Alter von 98 Jahren in Paris starb, hinterließ sie der Welt nur wenig Persönliches. Was aber blieb, war ihr avantgardistisches Werk, darunter insbesondere die in den 1920er-Jahren gebaute Villa E.1027 an der Côte d’Azur, ein radikal funktionales Haus voller kluger Details, dessen Geschichte 2024 von Beatrice Minger und Christoph Schaub unter dem Titel E.1027 – Eileen Gray und das Haus am Meer verfilmt wurde und bis 16. Juni 2027 in der arte mediathek zu sehen ist. Berühmter aber noch sind ihre Möbelentwürfe – vom Adjustable Table E.1024 über den Bibendum Chair bis zum Non Conformist Chair, die als Nachbauten bis heute weltweit gut im Geschäft sind.
Trotz ihres Erfolges und wie bei so vielen Künstlerinnen (nicht nur) ihrer Zeit gerieten Eileen Gray und ihr Werk in Vergessenheit. Sie wurde unsichtbar gemacht von den Männern, mit denen sie zusammenarbeitete, erst viel später entdeckte man ihre Bedeutung und ihren Einfluss wieder. Diese Geschichten erzählt Charlotte Kerner in ihrer Biografie von Eileen Gray, die im Frühjahr 2026 im Seemann Henschel Verlag erschienen ist und nun eine wunderbare Sommerlektüre sein kann. Das 272 Seiten starke Buch führt durch die Kindheit und Jugend Grays als Debütantin im edwardianischen England sowie ihre Lehrjahre in London zu ihrer Wahlheimat Paris, wo sie eine eigene Galerie eröffnete und als Innenarchitektin erfolgreich wurde. Aber auch private Details des Lebensweges, Freundschaften und Beziehungen werden beleuchtet. (pk, 14.7.26)

