Hamburg, Sternbrücke, 2014 (Bild: André Hofmeister, CC BY SA 2.0)

Hamburg: Jetzt ist die Sternbrücke dran

„Verkehrsfluss“, mit diesem Argument wird der Abriss der Hamburger Sternbrücke als unabwendbar dargestellt – noch überquert sie die Kreuzung Max-Brauer-Allee/Stresemannstraße. Da zwischen Altona-Altstadt und Sternschanze im 19. Jahrhundert sternförmig wachsende Verkehrsströme zusammenliefen, wurde der beschrankte Bahnübergang 1893 durch eine erste Brücke ersetzt. Die heutige stählerne Balkenbrücke von 75 Metern Länge und 17 Metern Breite stammt von 1925/26 (Bauleitung: Eisenbahndirektion Altona, Reichsbahnoberrat Kilian/Reichsbahnrat Blunck). Ein Vorhaben der 1960er Jahre, alles durch eine aufgeständerte Schnellstraße zu überbauen, blieb in der Schublade. Stattdessen legte man um 1970 das Straßenniveau tiefer. In den Brückenpfeilern etablierten sich bekannte Clubs des Szeneviertels.

Seit 2005 plant die Bahn einen Neubau, dessen Entwurf – gestern auf einer Infoveranstaltung vorgestellt – zunächst angenehm retro-modern wirkt. Doch bezieht man den vorgesehenen Bogen auf die Umgebung, wird rasch klar: Hier droht eine neue Verkehrstrasse den Bestand zu erschlagen. Für die avisierte stützenlose Stabbogenbrücke soll nicht nur die denkmalgeschützte Sternbrücke weichen, man müsste zudem die Clubs vertreiben, die Kasematten verfüllen sowie einen Teil der teils ebenfalls denkmalgeschützten Nachbarhäuser niederlegen. 125 Millionen, so das Abendblatt, soll der Spaß 2023 kosten. Die Initiative Sternbrücke, gegründet von Anwohnern mit dem Denkmalverein Hamburg, fordert daher, die Öffentlichkeit einzubeziehen und die Sternbrücke samt Umgebung zu erhalten. (kb, 17.4.20)

Hamburg, Sternbrücke, scherzhafte Simaltion eines Brückenneubaus (Bildmontage: Thomas Schaaf, 2020)

Hamburg, Sternbrücke, Titelmotiv: Bestand, 2014 (Bild: André Hofmeister, CC BY SA 2.0), unten: scherzhafte Simaltion eines Brückenneubaus (Bildmontage: Thomas Schaaf)