Handke goes Bungalow

Kronberg, Roter Hang (Bild: K. Berkemann)
In Kronberg/Taunus atmet die – vom langjährigen Braun-Designer Dieter Rams mit-entworfene – Bungalowsiedlung (noch!) den Geist der Bauzeit (Bild: K. Berkemann)

Dass Südhessen literarisch mehr zu bieten hat als Goethe (und nochmal Goethe), ist spätestens jetzt verbrieft: Der österreichische Schriftsteller Peter Handke (* 1942 in Griffen/Kärnten) war gerade aus Paris zurück in seiner Düsseldorfer Wohnung, als ihm auch diese gekündigt wurde. Nun suchte er mit seiner Frau Libgart Schwarz und seiner Tochter Amina Anfan eine kinderfreundliche Wohnung mit hohem Grünanteil. Vermittelt über seinen Frankfurter Verleger Siegfried Unseld, stieß Frau Handke auf die entstehende Bungalowsiedlung „Roter Hang“ im Taunusstädtchen Kronberg. Die Familie kaufte und zog 1971 im Schirnbornweg 6 ein.

Das Konzept der Kronberger Siedlung wurde von keinem Geringerem entwickelt als dem langjährigen Braun-Designer (um eine Nachkriegswendung zu nutzen: „Wir berichteten darüber.“) Dieter Rams, der hier selbst bis heute wohnt und arbeitet. Als ideale Verbindung aus modernem Wohnkomfort und naturnaher dorfähnlicher Idylle wurde die Anlage um 1970, nach Plänen des Königsteiner Architekten Rudolf Kramer, umgesetzt. Für Handke war die Kronberger Wohnung von Unglücken überschattet: Seine Mutter verübte Selbstmord, seine Ehe zerbrach und in dem kleinen Kindergarten, den Handke im Erdgeschoss seines Hauses einrichtete, verunglückte die Tochter der Kindergärtnerin. In seinen Kronberger Jahren schuf Handke sprechende Werke wie: „Wunschloses Unglück“, „Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms“ oder „Als das Wünschen noch geholfen hat“. Wer war nochmal Goethe? (kb, 11.6.15)