Als die Kunsthalle Schirn auf dem einstigen Areal der Frankfurter Altstadt 1986 eingeweiht wurde, schlug ihr wenig Liebe entgegen: Die einen nannten den langgezogenen postmodernen Bau „Kegelbahn“, andere sahen in ihm einen „Prügel“. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung erkannte gar einen „auf den Dom gerichteten Revolver“, die Frankfurter Rundschau einen „Rammbock“. Entworfen hat den 150 Meter langen Bau mit der markanten Rotunde als Eingangsbereich die Architektengruppe BJSS / Bangert, Janssen, Scholz und Schultes. Hinter ihr entstand von 1981-87 die postmoderne Bebauung der Saalgasse, vor ihr der Wiederaufbau der Ostzeile des Römerbergs (ebenfalls nach Plänen von BJSS). Bei der Konzeption von Ausstellungen ist die Schirn „wirklich eine Herausforderung“, wie Max Hollein, von 2001 bis 2016 Direktor der Kunsthalle, dem Hessischen Rundfunk erklärte. Der schmale Bau führe je nach Anordnung der Exponate zu Flaschenhälsen und Sackgassen-Effekten. Zu sehen waren bis heute über 280 Ausstellungen unter anderem mit Werken von Marc Chagall, Edvard Munch und Lyonel Feininger.

Parallel zur Schirn verlief einst der Krönungsweg, den die künftigen Kaiser zwischen 1562 und 1792 auf dem Weg vom Dom zum Römer abschritten. Daneben verkauften die Metzger ihre Ware an offenen Ständen, den sogenannten Schirnen. Daher trug die enge Gasse den Namen „Lange Schirn“. Ein überdimensionierter Tisch neben der Rotunde erinnerte jahrzehntelang architektonisch an diese historische Verbindung. 2012 musste das grandios sinnlose Objekt dem Wiederaufbau der Neuen Altstadt weichen, in dem auch der Krönungsweg wieder deutlicher herausgearbeitet wurde. Jetzt feiert die Schirn ihren 40. Geburtstag – dabei ist sie derzeit gar nicht recht bei sich: Im Herbst 2025 hat die Kunsthalle ein Interimsquartier in der ehemaligen Druckerei Dondorf in Frankfurt-Bockenheim bezogen. Momentan wird der nicht nur energetisch in die Jahre gekommene Bau auf dem Römerberg grundsaniert – unter Leitung des Büros Jourdan & Müller Steinhauser Architekten. Womit sich ein Kreis schließt: Das damalige Büro Jourdan und Müller PAS war in den 1980ern auch beteiligt am mit der Schirn verknüpften Projekt Saalgasse, hat dort das Haus Saalgasse 24 realisiert. Die Rückkehr der Kunsthalle in ihren Revolver, Prügel, Rammbock, Kegelbahn ist für 2028 vorgesehen. (db, 16.5.26)

Tielbild: Frankfurt, Schirn Kunsthalle 2023 (Bild Gerda Arendt, CC BY-SA 4.0)

Unten: Frankfurt, Schirn Kunsthalle 2010 (Bild: Dontworry, CC BY-SA 3.0)

Frankfurt, Schirn Kunsthalle 2010 (Bild: Dontworry, CC BY-SA 3.0)

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