Helden am Ende (Bild: Campus Verlag)

Helden am Ende

Helden am Ende

Helden am Ende (Bild: Campus Verlag)
Helden am Ende (Bild: Campus Verlag)

Heldinnen und Helden waren in den Gesellschaften des Realsozialismus allgegenwärtig. Wandmosaiken, Historiengemälde oder Illustrierte Zeitungen kündeten ohne Unterlass von den Leistungen der zu Stars avancierten Kosmonauten, Stachanovisten und Piloten. Doch wie war der permanente Enthusiasmus dieser Personen mit der Betonung der Propaganda vereinbar, es handele sich dabei um gewöhnliche Menschen, um „einen von uns“? Der von Monica Rüthers und Alexandra Köhring herausgegebene Sammelband „Helden am Ende“ hakt nach und fragt nach heroischen Erschöpfungszuständen und deren Darstellung.

Die Beiträge werfen einen umfassenden Blick auf die Bildwelten des Sozialismus, die ihren Helden nur selten eine Pause gönnten und sie etwa im Sport als ebenso unermüdlich wie entsexualisiert präsentierten. Möglichkeiten zur Darstellung der Erschöpfung boten aber Ausnahmezustände wie ein schweres Grubenunglück, das sich 1960 in der DDR ereignete. Eine zeitgenössische Fotodokumentation inszenierte einen völlig erschöpften Rettungshelfer als Helden im Ausnahmezustand. Das sowjetische Kino problematisierte gar die Heroenszenierung selbst, indem es eine alterne Fliegerheldin in den Blick nahm. In der sowjetischen Nachkriegsgesellschaft aus der Zeit gefallen, sieht sich die Protagonistin mit dem Schicksal einer Heldin von gestern konfrontiert. (jr, 3.11.16)

Rüthers, Monica/Köhring, Alexandra (Hg.), Helden am Ende. Erschöpfungszustände in der Kunst des Sozialismus. Campus Verlag, Frankfurt 2014, 978-3593501000.