Berlin, Willy-Brandt-Haus (Bild: Sven-Sebastian Sajak, CC BY SA 3.0, 2013)

Helge Bofinger gestorben

Wer an seinen Bauwerken herumbasteln wollte, konnte sich schon mal Ärger einhandeln: Helge Bofinger, Jahrgang 1940, nahm seine Aufgabe als Architekt sehr ernst. Und beharrte im Zweifel auf seinem Urheberrecht, wenn er allzu leichtfertiges Handeln erkannte: Das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt/Main (1984) und der Brunnen vorm Bahnhof Osnabrück (2001), beides Bofinger-Planungen, konnten erst nach vehementen Diskussionen verändert werden. Für den in Stettin geborenen und in Berlin aufgewachsenen Bau- und Lehrmeister waren fertiggestellte Gebäude immer auch Gesamtkunstwerke. Das berühmteste Bofinger-Kunstwerk ist das 1996 eingeweihte Willy-Brandt-Haus, die Berliner SPD-Parteizentrale.  Der siegreiche Entwurf (gemeinsam mit Max Bächer) für den Frankfurter Messeturm (1984) wurde hingegen nicht realisiert.

Nach Ende des Studiums an der TU Braunschweig gründete Helge Bofinger dort 1969 sein erstes eigenes Büro. 1974 kam Bofinger & Partner in Berlin dazu, 1978 erfolgte der Umzug des Braunschweiger Büros nach Wiesbaden. Ab 1986 wirkte er als Professor für Entwerfen und Gebäudelehre an der Universität Dortmund, es folgten weitere Lehraufträge unter anderem in Darmstadt, Hannover, Venedig und Buenos Aires. Lange Jahre war er zudem Vorstandsmitglied der Freunde des Deutschen Architekturmuseums Frankfurt. Bereits am 7. Juni ist Helge Bofinger im Alter von 78 Jahren verstorben.  (db, 14.6.18)

Berlin, Willy-Brandt-Haus (Bild: Sven-Sebastian Sajak, CC BY SA 3.0, 2013)