Ambrì/Tessin, Villa Giovanni Guscetti (Bild: Hagen Stier)

Die inneren Werte der Schweiz

Wer in der Schweiz der Nachkriegszeit nur Holzvertäfelung und Spitzengardinen vermutet, verkennt die moderne Seite der Eidgenossen. Da gab es hochglänzende Küchen, kandinskifarbene Wohnzimmer und die große Sehnsucht, ein wenig Hollywood in die Bergtäler zu bringen. Doch nur noch in seltenen Fällen lässt sich das private Raum der 1950er und 1960er Jahre heute nachvollziehen, gehören die Innenausbauten mit der Haustechnik doch zu den wandlungsanfälligsten Teilen der Architektur. Mit jedem neuen Nutzer, mit jedem neuen Einrichtungsstil droht der Rauswurf.

Mit ihrem neuen Buch „Vom Baustoff zum Bauprodukt“ will die Architekturtheoretikerin Uta Hassler, lange Jahre Professorin an der ETH Zürich, über die Ausbaumaterialien in der Schweiz der 1950er und 1960er Jahre informieren. Der Wandel zu global verfügbaren Halb- oder Fertigprodukten habe, so Hassler, zu einer Entfremdung von den Stoffen und zu den kurzen Haltbarkeitszeiten der Bauten beigetragen. Dabei ist sie nicht allein an konservatorischen Antworten interessiert, sondern will auch mehr Wissen über Produktentwicklungen vermitteln. Hasslers Buch gliedert sich in den Textteil, ein produktgeschichtliches Kapitel und einen Katalog zum gezielten Nachschlagen. (kb, 27.6.18)

Hassler, Uta (Hg.), Vom Baustoff zum Bauprodukt. Ausbaumaterialien in der Schweiz 1950–1970, Hirmer Verlag, München 2018, 514 Seiten, 17 x 24 cm, gebunden, ISBN 978-3-7774-3107-9.

Ambrì, Villa Giovanni Guscetti, vorgestellt in der Ausstellung „märklinMODERNE“ (Bild: Hagen Stier)