Im thüringischen Brotterode wartete ein (im Kern) hundertjähriges Bauwerk lange auf sein Ende: Nachdem am Standort bereits 1905/06 die ersten Skisprung-Wettbewerbe stattgefunden hatten, geht der Bau der Inselbergschanze in seinen Anfängen auf das Jahr 1924 zurück. Es folgten 1930, 1948, 1955, 1969, 1979 und 2004 diverse Umgestaltungen und Erweiterungen. Entsprechend wechselte das Bauwerk mehrfach seinen Namen – von Hangenberg- zu Aufbau- zu Inselbergschanze. Den Höhepunkt erlangte der Standort in der DDR-Zeit als Austragungsort renommierter Wettbewerbe und als Ausbildungsstätte für den Nachwuchs. Inzwischen wird hier seit 30 Jahren der (Skisprung-)Continental-Cup ausgetragen. Doch zunehmend forderte man einen Neubau, um den neuesten Wettbewerbsbedingungen gerecht werden zu können.
Als es im Juni diesen Jahres tatsächlich an den Abriss gehen sollte, wehrte sich die Schanze. Die von der Presse begleiteten Arbeiten mussten unterbrochen werden. Zunächst hatte man auf ein innovatives Verfahren gesetzt, das die Stahlstützen unter Strom setzen und sie so in die Knie zwingen sollte. Als die erzielten 300 Grad dafür nicht ausreichten, setzte man im zweiten Anlauf auf eine traditionellere Methode, auf Sprengstoff. Im Juli äußerte sich das Abbruchunternehmen daher etwas verhaltener gegenüber der „Zeit“: „Einen Countdown wird es nicht geben. Wenn das Gebäude fällt, dann fällt’s“. Inzwischen meldete man vor Ort stolz den Vollzug. Nachdem man 300 Tonnen Beton und 20 Tonnen Holz beräumt habe, könne man jetzt an das Gießen der Fundamente gehen. Denn die Uhr tickt – 2026 muss sie pünktlich zum Skisprung-Continental-Cup stehen. (kb, 10.8.25)

Brotterode, Inselbergschanze (Bild: Manuguf, CC BY SA 3.0 oder GFDL, 2011)
