Im Mittelpunkt der Ausstellung „Interwoven“ stehen die polnischen Architektinnen Barbara Brukalska (1899–1980) und Helena Syrkus (1900–1982). Auch wenn ihr eigenständiges Werk lange im Schatten ihrer Ehemänner stand, gehörten beide zu den prägenden Mitgliedern der Avantgarde-Gruppe Praesens, die in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre für einen Funktionalismus im Geist der Internationalen Moderne eintrat. Zugleich bildete Praesens den polnischen Zweig der CIAM, die bis 1959 eine Folge einflussreicher Kongresse zur Architekturmoderne veranstaltete. In der Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die berufliche Laufbahn der beiden Frauen in unterschiedliche Richtungen. Brukalska lehrte als Professorin, entwarf Interieurs und trieb das genossenschaftliche Wohnen voran. Nach ihrer Lagerhaft zum Ende des Zweiten Weltkriegs war Syrkus von 1945 bis 1954 Vizepräsidentin der CIAM und lehrte als Professorin, geriet aber in Konflikt mit dem staatlich vorangetriebenen Sozialistischen Realismus.

Die Ausstellung will nicht streng biografisch vorgehen, sondern begreift – ihrem Titel „Interwoven“ entsprechend – das Leben und Werk von Brukalska und Syrkus als Beziehungsgeflecht: zwischen Bau und Nutzer:in, Ost- und Westeuropa, Privat- und Berufsleben, Vor- und Nachkriegsmoderne. Zu zahlreichen Foto- und Textdokumenten aus internationalen Sammlungen und Archiven treten zeitgenössische Kunstwerke, die sich mit den beiden Architektinnen und deren Querbezügen auseinandersetzen: eine Soundcollage von Barbara Kinga Majewska und eine textile Installation von Alicja Bielawska. Die Ausstellung „Interwoven. Barbara Brukalska, Helena Syrkus and the Networks of Modernism“ ist noch bis zum 4. Oktober 2026 im Architekturmuseum in Wrocław (Breslau) zu sehen. (kb, 15.8.26)

Kinderstühle Pferd und Kuh, Barbara  Brukalska, 1936, Replika von 2018 (Bild Karin Berkemann)

Kinderstühle „Pferd und Kuh“, Barbara Brukalska, 1936, Replik von 2018 (Bild: Karin Berkemann, 2026)

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