Eisenhüttenstadt, ehem. Hotel Lunik (Bild: Martin Maleschka)

Jedem Ende wohnt ein Anfang inne …

Drei sozialistische Planstädte hatte die DDR aufzuweisen: Eisenhüttenstadt, Schwedt und Hoyerswerda. Die erste von ihnen, Eisenhüttenstadt, feiert in diesem Jahr 70. Geburtstag – zunächst wurde der Grundstein des Stahlwerks gelegt, ab Februar 1951 entstand die zugehörige Wohnstadt, bis 1961 unterm Namen „Stalinstadt“. Hier sollte nicht nur ein Ort der Industrie sein, sondern auch die Heimat des neuen sozialistischen Menschen. Ähnliche Konzepte galten auch bei der Umgestaltung der Kleinstädte Schwedt und Hoyerswerda: Die „Stadt neuen Typs“ war mit großzügig bemessenen sozialen Räumen und mit aufwendiger Architektur aufs kollektive Zusammeleben geplant. Urban, aber dennoch grün und licht sollte es sein – so die Idee. Ein Konzept, das spätestens 1990 am Ende war … Im städtischen Museum Utopie und Alltag ist jetzt zum Jubiläum eine Ausstellung über Vergangenheit und Zukunft Eisenhüttenstadts zu sehen: „Ohne Ende Anfang – Zur Transformation der sozialistischen Stadt“.

Die Schau richtet den Blick auch auf zwei Vergleichsbeispiele: das polnische Nowa Huta, wie Eisenhüttenstadt 1949 als sozialistische Stadt geplant (und 1951 als Stadtteil von Krakau übernommen) und Schwedt, ab 1960 mit Plattenbauquartieren zur Industriestadt ausgebaut und später Geburtsstätte und Laboratorium des Stadtumbaus. Zu den Exponaten zählen städtebauliche Pläne, Modelle und historische wie aktuelle Fotografien. Begleitet wird die Ausstellung von der Installation „DDR Noir“ der Künstlerin Henrike Naumann. Und wer als regelmäßiger moderneREGIONAL-Leser beim Stichwort Eisenhüttenstadt an unseren Freund Martin Maleschka denkt, liegt goldrichtig! Nicht nur im Museum Utopie und Alltag sind seine Fotografien zu sehen – man kann gleich noch eine weitere Ausstellung besuchen: „Stalinstadt . Eisenhüttenstadt – Eine Zeitreise in Ansichtskarten“ ist jeweils am Wochende in der Erich-Weinert-Allee 21 in Eisenhüttenstadt zu sehen. Ein Schwerpunkt der Schau liegt hierbei auf dem zur Spekulationsruine verkommenen „Hotel Lunik„. Dem äußerlichen Zerfall des Baudenkmals kann täglich zugesehen werden. Wie aber sieht es innen aus? Dieser Frage sind Martin Maleschka und Reinder Wijnveld auf den Grund gegangen. Am 17. und 18.7. wird Martin von 11 bis 17 Uhr anwesend sein und Rede und Antwort stehen – also kommet, sehet, staunet, debattieret! (db, 15.7.21)

Eisenhüttenstadt, ehem. Hotel Lunik (Bild: Martin Maleschka)