Brasìlia, Palácio do Planalto (Bild: skeeze, CC0 1.0, 2001)

Jubiläum: 60 Jahre Hauptstadt Brasília

Wenn Brasilien derzeit in den internationalen Schlagzeilen auftaucht, dann zumeist mit der Politik des umstrittenen Präsidenten Jair Bolsonaro. Allzu leicht gerät dabei in Vergessenheit, dass der bevölkerungsreichste Staat Südamerikas weit mehr kulturelle Vielfalt zu bieten hat, als es die markigen Äußerungen des Staatsoberhauptes glauben machen wollen. Neben zahlreichen anderen Weltkulturerbestätten beweist das die Hauptstadt Brasília, deren Einweihung sich gestern zum sechzigsten Mal jährte.

Entstanden war die neue Kapitale, die Rio de Janeiro ablöste, durch einen internationalen Wettbewerb, der 1956 unter Regierungschef Juscelino Kubitschek ausgeschrieben wurde. Auf einer Hochebene fernab aller Ballungszentren gelegen, sollte Brasília die Binnenentwicklung fördern. Lúcio Costas Entwurf entwickelte dafür den „Plano Piloto“: Eine strenge Monumentalachse wird von einer gekurvten Achse gekreuzt. In der Vogelperspektive erinnert Costas Plan an ein Flugzeug oder einen Vogel mit ausgebreiteten Flügeln. Öffentliche Bereiche und Wohngebiete sind funktionell getrennt. Neben der außergewöhnlichen städtebaulichen Anlage sorgten insbesondere die Bauten Oscar Niemeyers für Aufmerksamkeit. Sie gelten inzwischen als Ikonen der modernen Architektur. Dazu zählen die Kathedrale und die Regierungsbauten am Platz der drei Gewalten. In den „Superquadras“ residiert man in aufgeständerten Scheibenhochhäusern. Dieser einzigartigen Verbindung von zeitgenössischer Architektur und Urbanistik verdankt Brasília den Ruf als Idealstadt der Moderne. (mk, 23.4.20)

Brasília, Palácio do Planalto (Bild: skeeze, CC0 1.0, 2001)