Jürgen Joedicke ist gestorben

Wenige Monate nach dem Tod des großen Baumeisters ist ein Buch übers Werk von Frei Otto erschienen (Bild: Jorge Royan, CC BY-SA 3.0)
Mit Jürgen Joedicke ist nun ein weiterer Planer des Münchener Olympiastadions verstorben (Bild: Jorge Royan, CC BY-SA 3.0)

Es sind schlechte Monate für die Planer des Münchener Olympiastadions (1972): Erst verstarb Carlo Weber, dann vor wenigen Wochen Frei Otto – und nun der Architekt und Architekturtheoretiker Jürgen Joedicke. Geboren 1925 in Erfurt, studierte Joedicke zunächst an der Hochschule für Baukunst und Bildende Künste in Weimar. Nach seinem Diplom wechselte Joedicke 1950 als Assistent an die Technische Hochschule Stuttgart, wo er in den folgenden Jahren promovierte, habilitierte, dozierte und eine Professur übernahm.

Bekannt wurde Joedicke, der auch als freier Architekt tätig war, in der Architekturtheorie. Zwischen 1967 und 1993 leitete er das von ihm begründete „Institut für Grundlagen der modernen Architektur“. Pulbizistisch wirkte er u. a. als Redakteur der Züricher Zeitschrift „(Werk,) Bauen + Wohnen“. Seine ausgewählten konkreten Bauten verwirklichte er in den Bereichen Sport und Gesundheitswesen – das prominenteste unter ihnen seine Beteiligung am Münchener Olympiastadion mit seiner spektakulären Dachkonstruktion. Am 6. Mai 2015 ist Jürgen Joedicke in Stuttgart wenige Wochen vor seinem 90. Geburtstag verstorben. Für die Universität Stuttgart würdigte Gerd de Bruyn Joedeckes Wirken: „dass er über einen Zeitraum von 26 Jahren, in denen er die Stuttgarter Architekturlehre maßgeblich mitprägte, seine humanistischen Werte an Jüngere weitergeben konnte. Darum wird er niemals vergessen werden.“ (kb, 31.5.15)