Jürgen Sawade ist tot

Erst Sensation, dann Sünde, heute bestaunt: Jürgen Sawades Projekt "Wohnen am Kleistpark", Berlin 1977 (Bild: Manfred Brückels)
Erst Sensation, dann Sünde, heute bestaunt: Jürgen Sawades Projekt „Wohnen am Kleistpark“, Berlin 1977 (Bild: Manfred Brückels, CC BY-SA 3.0)

Mehr Corbusier wagte keiner: Das bekannteste Werk des Architekten Jürgen Sawade galt erst als Sensation, dann als Bausünde und mittlerweile als Klassiker der Siebziger-Jahre-Architektur. 1977 entstand der sogenannte „Sozialpalast“ in Berlin-Schöneberg. Der zwölfgeschossige Beton-Riegel überragt die umgebenden Gebäude meterweit und überspannt sogar einen Weltkriegs-Bunker. Doch Sawade, der nach seinem Studium 1966-69 als Assistent von Oswald Matthias Ungers an der TU Berlin arbeitete und 1970 sein eigenes Büro eröffnete, hat nicht nur monumentale Werke hinterlassen. Der in Kassel geborene Architekt und Honorarprofessor realisierte unterschiedlichste Bauten im einstigen West-Berlin.

1978-81 leitete Sawade die Restaurierung und Umgestaltung von Erich Mendelsohns Kino Universum (1928) zur „Schaubühne am Lehniner Platz“. Das Grand Hotel Esplanade (1988; nicht zu verwechseln mit dem historischen Fragment am Potsdamer Platz!) und das Haus Pietzsch Unter den Linden (1993-95) sind weitere prominente Bauten. 2002 wurde Jürgen Sawade in die Akademie der Künste berufen. Am 21. Januar 2015 ist er im Alter von 77 Jahren in Berlin verstorben. (db, 3.2.15)