In den 1960er Jahren waren Kirchenneubauten in der DDR (fast) unmöglich. Doch mit dem sog. Sonderbauprogramm (streng genommen waren es mehrere) einigte sich die SED-Regierung in den 1970er Jahren mit den beiden großen christlichen Konfessionen auf einen Deal: Gegen Westgeld wurden, vermittelt über das Bonifatiuswerk und die Diakonie, zunächst Renovierungen, später auch Neubauten möglich. Diese Gottesdiensträume, nach dem DDR-Transferunternehmen auch Limex-Kirchen genannt, erhielten meist nur einen wenig sichtbaren Standort am Rand der Neubaugebiete. Damit erhielten einige Gemeinden in Ost-Berlin eine neue Kirche, als diese Baugattung zeitgleich in West-Berlin schon zum Erliegen gekommen war. Der DDR-Staat erhoffte sich von diesem Tauschgeschäft neben Devisen vor allem international ein besseres Image.

Stilistisch können sich die Sonderbauprogrammkirchen sehen lassen – in einer guten Mischung aus Pragmatismus und Gestaltungsfreude entstanden eigenständige und bewahrenswerte Lösungen. Auch die Ausstattungen warten mit Künstler:innen von Friedrich Press bis Werner Nickel auf. Ab 2023 hat sich das Landesdenkmalamt Berlin den Bestand dieser Kirchen im Stadtgebiet näher angeschaut und nun vier von ihnen unter Schutz gestellt: das evangelische Gemeindezentrum Am Fennpfuhl in Lichtenberg sowie die römisch-katholischen Kirchen Maria, Königin des Friedens in Biesdorf, Heilig Kreuz in Hohenschönhausen und Von der Verklärung des Herrn in Marzahn. Diesen Neuzugängen widmet das Landesdenkmalamt am 5. Mai um 19.30 Uhr in der Urania einen eigenen Termin in der Reihe „Jung aber Denkmal“. Die Veranstaltung startet mit einem Input von Dr. Christoph Rauhut, Landeskonservator und Direktor Landesdenkmalamt Berlin. Neben Wiebke Ahues (Vorstandsmitglied Architektenkammer Berlin), Matthias Hoffmann-Tauschwitz (ehemaliger Leiter des kirchlichen Bauamtes der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, EKBO), Alfred-Mario Molter (Theologe und Kulturwissenschaftler), Andreas Roth (Bereichsleiter Bau beim Erzbischöflichen Ordinariat Berlin) und Dr. Christian Walther (Publizist und Politologe) ist die Theologin und Kunsthistorikerin Karin Berkemann, die die Sonderbauprogrammkirchen in Berlin inventarisiert hat, auf dem Podium zu Gast, moderiert von der Architekturhistorikerin Verena Pfeiffer-Kloss. moderneREGIONAL begleitet die Veranstaltungsreihe als Medienpartner. (mR, 21.4.26)

Berlin-Biesdorf, Maria Königin des Friedens (Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Joris Hube)

Berlin-Biesdorf, Maria, Königin des Friedens, 1983 (Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Joris Hube)

Berlin, Gemeindezentrum am Fennpfuhl (Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Joris Hube)

Berlin-Lichtenberg, Gemeindezentrum Am Fennpfuhl, 1984 (Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Joris Hube)

Berlin, Verklärung des Herrn (Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Joris Hube)

Berlin-Marzahn, Von der Verklärung des Herrn, 1987 (Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Joris Hube)

Berlin-Alt-Hohenschönhausen, Heilig Kreuz (Bild: Berlin, Verklärung des Herrn (Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Joris Hube))

Berlin-Hohenschönhausen, Heilig Kreuz, 1988 (Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Joris Hube))

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