Hauptmotiv: München, Schwabylon um 1974 (Bild: J. Dahinden)

Justus Dahinden 1925-2020

Wenn ein Gebäude oder ein Raum zum Menschen „komm herein“ sage, dann sei das gute Architektur, propagierte Justus Dahinden. Seinen Namen verbindet man in Deutschland entweder mit dem Pop-Art-Restauant Tantris oder der Hedonismus-Utopie „Schwabylon“ . Beide Gebäude entstanden Anfang der 1970er in München, und während das Tantris noch immer in Betrieb (und denkmalgeschützt) ist, wurde das grandios gescheiterte Freizeitzentrum Schwabylon 1979, nur sechs Jahre nach Fertigstellung, abgerissen. Die „Stadt in der Stadt“ konnte sich in der Ölkrisen-Ära nicht etablieren. Was bleibt sind heute noch bestaunte Bilder des kunterbunten Tempels.

Das Architekturstudium absolvierte Justus Dahinden in seiner Geburtsstadt an der ETH Zürich, hatte seit 1955 ein eigenes Büro und folgte 1974 dem Ruf an die TU Wien, wo er bis 1996 lehrte. Als Baumeister entwarf er unter anderem das Ferrohaus in Zürich (1970), die Bibliothek der TU Wien (1984) und das Feriendorf Twannberg nahe Biel (1980), hinzu kommen zahlreiche Kirchen, in Deutschland etwa St. Paulus in Ingelheim (1980/81). Im Herbst 2019 wurde Dahindens selbstentworfenes Wohnhaus zum Kauf angeboten, da ahnte man bereits nichts Gutes. Nun ist der „Philosoph der Schräge“, der gesellschaftlichen Wandel stets durch Architektur anzuregen suchte, in Zürich gestorben. Und im Tantris kann man derzeit nicht mal zu seinen Ehren anstoßen. (db, 14.4.20)

Hauptmotiv: München, Schwabylon um 1974 (Bild: J. Dahinden)

München, Restaurant Tantris (Bild: Betreiber)