Wenn Worte wie „energetische Optimierung“ oder „Revitalisierung“ fallen, schrillen bei geneigten Modernist:innen eigentlich alle Alarmglocken. Dass es auch positive Beispiele derartiger Sanierungen gibt, zeigt sich in Kassel. Hier wurde das 1969 errichtete Hochhaus der Wohnungsgesellschaft GWH durch das Frankfurter Büro Dietz Joppien Hammerschmidt runderneuert – damit geriet ein funktionalistischer Vetreter der Spätsechziger-Moderne zu einem skulpturalen Blickfang. Die ursprüngliche Fassade wurde bis aufs Tragwerk abgenommen, sie ersetzt nun eine komplette Neukonzeption insbesondere der Stirnseite. Hier hängt nun eine dreidimensionale, sandfarbene Metallfassade, die an Gestaltungen der DDR-Moderne erinnert. Hinter der gelochten Fassade ist eine Photovoltaik-Anlage verbaut, die etwa ein Drittel des Energiebedarfs des Gebäudes deckt; auf dem Dach befindet sich zudem eine optisch integrierte Wärmepumpe

Die Neuinszenierung der Fassade, zwischen Retro-Schick und zeitgenössischem Auftritt changierend, tut dem jahrzehntelang sehr unscheinbaren Bau in der Kölnischen Straße gut. Dass er im Kern 56 Jahre alt ist, lässt sich am ehesten noch an den Proportionen ablesen. Direkt nebenan leidet währenddessen die 1991 eröffnete, mittlerweile insolvente Kurfürsten-Galerie vor sich hin. Sie war vor 35 Jahren Kassels größtes Neubauprojekt der Nachkriegszeit, nun stehen die meisten der 35 Ladengeschäfte leer, und auch das Hotel ist seit 2021 geschlossen. Das Kaufhaussterben macht auch vor der nordhessischen Spät-Postmoderne nicht halt. Vielleicht hat das Büro Dietz Joppien Hammerschmidt auch hier eine Idee zur „Revitalisierung“? (db, 14.7.25)

Kassel, GWH-Haus 2025 (Bild: DJH/Stefan Schilling)

Kassel, GWH-Haus 2025 (Bild: DJH/Stefan Schilling)

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