Berlin, Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche (Bild: Joe Mabel, GFDL oder CC BY SA 4.0, 2018)

„Klassik-Nike“ geht nach Berlin

Dürfen wir vorstellen? Die „Klassik-Nike“! Damit prämiert der Bund Deutscher Architekten (BDA) einen Bau der Nachkriegsmoderne, der „sich über mindestens drei Jahrzehnte bewährt hat und dessen besondere Architektur immer noch als vorbildhaft gelten kann“. Dieses Jahr geht die Flügelfigur an die Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche. 1895 von Franz Schwechten gestaltet, sollte sich Egon Eiermann der kriegszerstörten Kirche annehmen. Anfangs wurde der Abriss diskutiert, doch dann ließ sich der Architekt von der Bevölkerung überzeugen: Der „Hohle Zahn“, der historistische Kirchturm blieb als Mahnmal stehen. Ergänzt wurden „Lippenstift und Puderdose“, Kirchenschiff und Turm in moderner Wabenstruktur.

Im geteilten Berlin avancierte das Ensemble zu einem der Wahrzeichen im damaligen Stadtzentrum, zu einem der wenigen funktionierenden Ruinen-Mahnmale. Bis heute lieben Touristen wie Einheimische nicht nur die markante Architektur, sondern auch das kirchenmusikalische und liturgische Angebot. Jüngst wurde das Schätzchen denkmalgerecht durchsaniert, ohne dabei die Spuren der Baugeschichte zu verleugnen. Oder, in Jurysprache: „Diese mehrschichtige Komplexität der Form und Nutzung würdigt die Jury mit der Klassik-Nike.“ (kb, 28.5.19)

Berlin, Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche (Bild: Joe Mabel, GFDL oder CC BY SA 4.0, 2018)