Stuttgart, Metroplo (Bild: Andreas Praefcke, CC BY-SA 3.0)

Kraxeln statt Kino

Der 1920er-Jahre-Bau in der Stuttgarter Bolzstraße 10 ist ein frühes Beispiel für Fassadismus: Er integriert den Eingangsbereich des einstigen Centralbahnhofs (1840-46), der nach Fertigstellung des Hauptbahnhofs von Paul Bonatz 1922 stillgelegt und abgerissen wurde. Im Neubau öffnete der Ufa-Palast seine Pforten. Nach Kriegsschäden wurde er zügig wiederaufgebaut und öffnete als Kino und Varieté: „Auf Wiedersehen im Metropol“ hieß die Eröffnungsrevue 1949. Später wurde das Metropol zum reinen Kino, nach mehreren Umbauten erfolgte um 2000 eine Sanierung, die viele Einbauten der 1940er wieder freilegte. Der schleichende Niedergang der Kinos und zuletzt die Corona-Krise haben 2020 dafür gesorgt, dass das Traditionshaus seine Pforten geschlossen hat.

Jetzt soll es wohl zur Kletterhalle werden: Die „Element Boulders GmbH“ hat – zur Überraschung der Stadt Stuttgart – einen Mietvertrag unterzeichnet. Die Umgestaltung des denkmalgeschützten Baus soll das Architekturbüro Tennigkeit + Fehrle übernehmen. Hier hat das Denkmalamt jedoch ein Wort mitzureden, und auch der Erste Bürgermeister Fabian Meyer sagte der Stuttgarter Zeitung, dass die Stadt die weitere Kino-Nutzung des Metropols als klares Ziel sehe. Sebastian Selig von der Initiative Rettet das Metropol hält die Umnutzung für eine „Katastrophe für die Stuttgarter Kultur“ und hofft, dass der Denkmalschutz die Pläne verhindert. Sicher ist die Kletterhalle offenbar noch nicht. (db, 18.1.21)

Stuttgart, Metroplo (Bild: Andreas Praefcke, CC BY-SA 3.0)