Der Architekt und Professor Günther Domenig (1934-2012) war einer der Wegbereiter des Brutalismus und der Dekonstruktion nicht nur in seiner Heimat Österreich. Hier hat er sich mit dem „Steinhaus„, ein programmatischer Bau zwischen Forschungslabor, Studienhaus und Museum, auch selbst ein Denkmal gesetzt. In einer dichten Abfolge hat er in unterschiedlichen Partnerschaften gut 40 Jahre lang maßgebliche Beiträge zu spezifischen Entwurfspositionen und Stilen geliefert: neben Brutalismus und Dekonstruktivismus widmete er sich auch organischen vegetabilen Zellstrukturen, Pop-Art sowie den produktiven Überlagerungen all jener Tendenzen. Hinter der Person Günther Domenig verschwanden – und verschwinden – seine Partner und Wegbereiter bisweilen. Das Buch „Wir Günther Domenig“ (erschienen November 2025 bei Park Books), herausgegeben von Wolfdieter Dreibholz und Michael Zinganel, gibt einen Blick auf die Menschen und Strukturen, die mit beitrugen zum Gesamtwerk Domenigs. Und bietet somit auch eine Korrektur tradierter Architekt:innen-Biografien, die die Einzelleistung oft überhöhen.
Die fragmentarische Werkgeneseb im Buch wird nicht aus der Sicht von Günther Domenig, sondern aus dem jener rekonstruiert, die zur Umsetzung dieser Projekte mit beigetragen haben: als Partner:innen und Mitarbeiter:innen in den Büros und an seinem Institut an der TU Graz, als Auftraggeber:innen, die in Domenig in Aufbruchsstimmungen einen Partner zur Umsetzung ihrer eigenen Visionen gesucht haben, ambitionierte Bauunternehmen, die die Experimente mitgetragen haben, und nicht zuletzt Studierende, die von Günther Domenigs Arbeit inspiriert worden sind – und die umgekehrt auch die Projekte des Architekten bereichert haben. Heute, am 20. Mai, wird „Wir Günther Domenig“ in Linz im Architekturforum Oberösterreich (Lederergasse 17, 4020 Linz, Österreich) in der Reihe „Theorie im Keller“ vorgestellt. Beginn ist um 19.00 Uhr, im Anschluss ist eine Diskussion vorgesehen mit Michael Zinganel, Architekturtheoretiker, Kulturwissenschaftler, Künstler, Kurator und Co-Herausgeber des Buches, es moderieren Heidi Pretterhofer und Michael Rieper. Alle drei waren Studierende an der TU Graz zu Zeiten der Professur von Günther Domenig. (db, 20.5.26)
Steindorf am Ossiacher See, Steinhaus (Bild: C. Cossa, CC BY-SA 3.0 AT)

