Kyrillische Avantgarde

"Neu! Hinschauen!" - lassen diese Werbelesezeichen nach Entwurf Rodtschenkos da überhaupt eine Wahl? (Bild: Deutsches Buch- und Schriftmuseum, Archiv von A. Rodtschenko und W. Stepanowa, Moskau)
„Neu! Hinschauen!“ – lassen diese Werbelesezeichen Rodtschenkos überhaupt eine Wahl? (Bild: Deutsches Buch- und Schriftmuseum, Archiv von A. Rodtschenko und W. Stepanowa, Moskau)

„Eine Ohrfeige für den bürgerlichen Geschmack“ nannten es die russischen Avantgardisten selbstbewusst. Tatsächlich erlebte ihre Kunst im revolutionären Russland eine tiefgreifende Umwälzung. Dies äußerte sich nicht nur in konstruktivistischer Architektur oder den progressiven Kinofilmen Sergej Ėjzenštejns, sondern auch bei Grafik, Typografie und Plakatdesign. Die Unterschiede zwischen Hoch- und Alltagskultur sollten eingeebnet, eine politisch relevante Synthese aus Sprache, Schrift und Bild entstehen. Im Gegensatz zum Umsturz der Bol’ševiki wirkte diese ästhetische Revolution grenzübergreifend stilbildend und wirkt auch heute noch modern.

Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum in Leipzig greift dieses Thema mit der Ausstellung „SchriftBild. Russische Avantgarde“ auf. Sie versammelt die Arbeiten zahlreicher russischer KünstlerInnen – darunter Vladimir Majakovskij, Alexandr Rodčenko, Natalija Gončarova, Pavel Tret’jakov und Varvara Stepanova. Die Schau wurde im Rahmen des „Jahres der deutsch-russischen Literatur“ mit dem Staatlichen Museums- und Ausstellungszentrum ROSIZO in Moskau konzipiert. Begleitend erscheint unter demselben Titel ein Bilder- und Lesebuch. Die Ausstellung ist bis zum 4. Oktober 2015 zu sehen. (jr, 13.6.15)