Im Rahmen der Berliner IBA 87 ist im Wohnungsbau Enormes entstanden. Vieles, was bis heute erstaunlich und damit Vorbild oder zumindest als solches in Erinnerung ist; vieles, was heute nicht mehr möglich zu sein scheint und was unter dem Druck des Marktes und fehlender Regularien zu zerrinnen droht. Eines dieser besonderen Projekte ist der LiMa-Wohnhof in Berlin-Kreuzberg. Er entstand zu IBA-Zeiten aus der Idee der Selbstorganisation und Solidarität in Bauprozessen heraus. Für den Entwurf zeichneten der niederländische Architekt Herman Hertzberger mit Henk de Weijer verantwortlich, realisiert wurde das mehrgeschossige Wohnhaus auf einem „schwierigen“ Eckgrundstück an der Lindenstraße / Ecke Markgrafenstraße (Li-Ma) von der Selbstbaugenossenschaft Berlin, heute schräg gegenüber des Jüdischen Museums.
Herzbergers und de Weijers Bau, für den Inken und Hinrich Baller Kontaktarchitekten waren, verbindet eine bauliche Offenheit mit sozialem Experiment. Die Bewohner:innen bauten damals ihre Wohnungen selbst mit aus, wodurch gemeinsames Arbeiten, Aushandeln und aufmerksames Instandhalten im Haus etabliert wurden und zugleich die Mieten auf lange Zeit niedrig gehalten werden konnten. Noch, denn die Eigenschaft „öffentlich gefördert“ für die 48 Wohnungen endet voraussichtlich Ende 2030. Am Sonntag, dem 16. November 2025 um 14:30 Uhr zeigt die Initiative Gärten von morgen in der Hansabibliothek den Dokumentarfilm (Work in Progress) LiMa-Wohnhof von der Filmemacherin Magda Gvelesiani und der Architektin Sarah Silbernagel. Die Geschichte und die heutigen Herausforderungen im Wohnhof wird aus der Perspektive von Architekt*innen und Bewohner*innen aller Generationen erzählt. Im Anschluss an den 40-minütigen Film findet ein Gespräch mit den Filmemacherinnen und der LiMa-Bewohnerin Gabriella Sarges statt, die die Climate Initiative gegründet hat. (pk, 13.11.25)

Berlin-Kreuzberg, Wohnhof LiMa, Internationale Bauausstellung IBA ’87, Architekt: Herman Hertzberger mit Henk de Weijer, Inken und Hinrich Baller, 1984–86 (Bild: Gunnar Klack, CC BY-SA 4.0, 2016)
