Lissitzky trifft Tetris

El Lissitzkys Plakat von 1919 hat es zum Videospiel gebracht (Bild: pd)
El Lissitzkys Plakat von 1919 hat es zum Videospiel gebracht (Bild: pd)

Wer immer noch vom kulturellen Wert des Videospiels überzeugt werden muss, dem sei das Spiel „Lissitzky’s Revenche“ ans Herz gelegt. Dem simplen 2D-Actiongame liegt das Plakat „Mit dem roten Keil schlagt die Weißen“ zu Grunde, das El Lissitzky 1919 anlässlich des russischen Bürgerkrieges gestaltete. Der Spieler übernimmt dabei die Rolle des pfeilschnellen roten Dreiecks, das im ewigen Widerstreit zum reaktionären weißen Kreis steht. Das Game steht hier zum kostenlosen Download für Windows und Linux bereit.

Der „rote Keil“ stand in Lissitzkys Plakat symbolisch für die Bolševiki, die „Weißen“ verkörperten die konterrevolutionären weißen Armeen. „Lissitzky’s Revenche“ macht das Plakat mit dem kriegerischen Titel zum realen Schlachtfeld. Immer wieder muss der Spieler mit dem roten Pfeil gegen die schwarze Barriere anfliegen, die den Kreis schützend umgibt, bis sie abgetragen ist. Der weiße Kreis wehrt sich, indem er Worte des Plakattitels in Kyrillisch ausspeit, die ihrerseits den Pfeil vernichten können – besonders angriffslustig ist das „бей!“ („Schlagt!“). Das Spiel wurde im Projekt „Atelier Games“ entwickelt, das Kunstwerke des 20. Jahrhunderts zu digitalem Leben erweckt. Man darf also auf das nächste Spiel gespannt sein – ein Ritt auf Franz Marcs blauem Pferd vielleicht, ein Rendezvous mit der nachdenkenden Blonden von Roy Lichtenstein oder ein Kampf gegen Dalís dahinschmelzende Uhren? (jr, 2.9.15)