Wien, Haus Scheu (Bild: John Lord, CC BY 2.0, 2018, via flickr)

Loos-Villa in Nöten

1912/13 gestaltete der Architekt Adolf Loos für den Rechtsanwalt Gustaf Scheu n Wien ein Terrassenhaus, wie es Mitteleuropa bis dahin noch nicht gesehen hatte. Das Flachdach wurde nach Osten, zur Sonne hin mehrfach abgetreppt. sodass jede Wohnebene ihre eigene Dachterrasse erhielt. Im Inneren fanden vorwiegend fest eingebaute, nach dem Entwurf des Architekten gefertigte Möbel ihren passgenauen Platz. Um die Baugenehmigung zu erhalten, musste Loos der Stadt zusichern, die Fassade zu begrünen. Und er erhielt die Auflage, eine passende Planung für die (nicht umgesetzte) Bebauung des Nachbargrundstücks vorzulegen. Da dieses Haus ein gekuppeltes Dach erhalten hätte, war für die angedachte Verbindung beider Bauteile scherzhaft von der “Scheu-Lok” die Rede. Im Werk des Architekten nimmt dieses Terrassenhaus in seiner klaren kubischen Form eine frühe Sonderstellung ein.

Die Konzeption von Loos wurde bereits 1923 verändert, indem eine der Dachterrassen aufgemauert wurde. Doch 1978/79 führte man die Inkunabel in den Ursprungszustand zurück. Bislang hatte das Haus besondere Aufmerksamkeit und denkmalpflegerisch sensible Besitzer:innen genossen. In diesem Sommer aber wollte der neue Eigentümer das Haus auf eigene Faust sanieren, ohne Genehmigung. Dabei steht der Bau, samt Innenausstattung, seit 1971 unter Denkmalschutz. Die Initiative “Bauten in Not” wurde auf die rechtswidrigen Arbeiten aufmerksam, als sie eine Gerüststellung am Haus bemerkte (auch von einem Kran ist die Rede) und die Behörden informierte. Im Inneren hatte der neue Eigentümer feste Einbauten und Fliesen entfernt. Nach Aussage der Expert:innen sind diese Veränderungen wohl reversibel. Vom Bundesdenkmalamt wurde Ende September ein Baustopp verhängt, um Schlimmeres zu verhindern. Nun werden die Behörden wohl ein genaues Auge auf die weiteren Planungen haben. (kb, 27.10.21)

Wien, Haus Scheu (Bild: John Lord, CC BY 2.0, 2018, via flickr)