Am 22. März 2026 ist die Gestalterin Lore Kramer im Alter von 99 Jahren verstorben. Geboren 1926 in Berlin als Lore Koehn, wollte sie eigentlich Bildhauerin werden. Ihr Weg zu diesem Ziel führte aus dem Kunststudium über eine Steinmetzlehre und eine Ausbildung zur Töpferin. An der Landeskunstschule Hamburg wurde sie schließlich über Otto Lindig vom Bauhausgedanken geprägt. Zu ihren weiteren Mentoren zählten große Namen wie die Künstler Gerhard Marcks und Joseph Jaeckel. Kramers weiteres Wirken ist über Jahrzehnte eng mit der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (früher Werkkunstschule) verbunden, wo sie ab 1956 zunächst als Dozentin für Keramik, dann bis 1988 als Professorin für Designgeschichte lehrte und forschte – und der Hochschule nach ihrer Emeritierung weitere zehn Jahre als Lehrbeauftragte verbunden blieb.
In Anerkennung ihrer Leistungen rückte Lore Kramer 1992 in den Vorstand des Bauhaus-Archivs auf. Längst ist sie in der Forschung aus dem vermeintlichen Schatten ihres Mannes, des Architekten und Designers Ferdinand Kramer (1898–1985), herausgetreten. Das Frankfurter Museum für angewandte Kunst etwa feierte 2018 mit einer eigenen Ausstellung Kramers Lebenswerk. Neben ihrem guten Auge für Glasuren stand sie auch für die soziale Seite des Designs. Nicht umsonst finden sich in ihrer Werkliste um 1970 innovative und praktisch gedachte Entwürfe für das Unternehmen Wächtersbach wie ein Junggesellengeschirr oder andere stapelbare Modelle. Zuletzt trat Lore Kramer auch durch Veröffentlichungen zur Wirkungsgeschichte des Neuen Frankfurt hervor. (kb, 3.4.26)

Lore Kramer, „Ich konnte nicht ohne Keramik leben“, avedition, Museum für angewandte Kunst, Frankfurt am Main 2018 (Bild: Buchcover)
