Berlin, Siegfried-John-Haus (Bild: Gunnar Klack, CC BY-SA 4.0)

Ludwig Leo nun in Leipzig

Das letzte Werk Oscar Niemeyers ist Mitte 2020, gut sieben Jahre nach seinem Tod, vollendet worden: die „Niemeyer-Kugel“ am historistischen Kirow-Werk in Leipzig. Der kulturbewusste Unternehmer Ludwig Koehne, der hier als Weltmarktführer Eisenbahndrehkräne produziert, hat seinem Werk neben der Kugel mit der Techne Sphere Leipzig Halle 9 einen privat betriebenen Ort für Kunstausstellungen hinzufügen lassen, der viel mehr als nur touristentaugliches Feigenblatt ist. Und zur Zeit das Werk eines weiteren 2012 verstorbenen Architekten würdigt: Ludwig Leo war einer der prägenden Architekten des einstigen West-Berlins, dem im vergangenen Jahr die Ausstellung „Architektur als Experiment“ gewidmet war. Nach dem Ende in Berlin wurde sie nach Leipzig verbracht – um pandemiebedingt monatelang unter Verschluss zu bleiben. Seit Ende Juni hat sie nun endlich geöffnet.

Die Leipziger Version ist dabei umfangreicher als die Berliner, in deren Mittelpunkt der denkmalgerecht sanierte Umlauftank (1975) stand, das berühmteste Werk Leos. In Leipzig haben die Kurator*innen nun auch ihre Ausstellung „Ludwig Leo Ausschnitt“, die 2013–15 in Berlin, Stuttgart und London zu sehen war, zusätzlich reaktiviert. Sie wirft anhand zweier weiterer Berliner Bauten, der Sporthalle Charlottenburg und der DLRG-Zentrale, sowie zweier experimenteller Schulbauprojekte, dem Landschulheim am Solling in Holzminden und der Laborschule Bielefeld einen Blick auf Leos konzeptionelle Arbeitsweise und fragt nach deren Relevanz für ein engagiertes Entwerfen heute. Wer die Leo-Schau also in Berlin bereits gesehen hat, kann sie in Leipzig sehr wohl ein weiteres Mal besuchen – und sich noch an der Niemeyer-Kugel erfreuen, die wie der Umlauftank am Berliner Tiergarten ein Blickmagnet ist. (db, 16.7.21)

Berlin, Siegfried-John-Haus/DLRG (Bild: Gunnar Klack, CC BY-SA 4.0)