Mainz, Zwerchallee (Bild: Daniel Bartetzko)

Hochstraße liegt danieder

Die deutschen Relikte der autogerechten Stadt verschwinden allmählich. In Ludwigshafen wurde die Hochstraße Süd gerade abgerissen, die Schwalbacher Straße in Wiesbaden und der „Tausendfüßler“ in Düsseldorf sind schon lange Geschichte. Bald geht es nun der Mombacher Hochstraße in Mainz an den Kragen: Am 5. Juli wird sie endgültig für den Verkehr gesperrt, bereits seit 2015 durfte sie der Schwerverkehr nicht mehr befahren. Künftig soll der Verkehr hier wieder ebenerdig fließen, die Straßenführung unter der Brücke wurde bereits umgestaltet. Wann genau der mächtige Stahlbetonbau abgerissen wird, ist aber noch unklar. Laut Stadt wird man sich zunächst Rat bei anderen Kommunen holen, die ähnliche Brücken abgerissen haben. Von einer Sanierung hatte man aus Kostengründen schon vor Jahren Abstand genommen, die mögliche Restnutzung war bis 2023 freigegeben, zuletzt aber nach erneuten Schäden auf 2020 begrenzt.

Die 1,4 Kilometer lange Straßenführung am Eingang zum Stadtteil Mombach wurde 1969 errichtet. Sie verbindet die Mombacher Straße mit der Rheinallee in Richtung Mombacher Kreisel und wird täglich noch von 8000 bis 9000 Fahrzeugen genutzt. Zur Zeit ihres Baus war die städtische Verkehrsplanung noch allenthalben aufs Automobil ausgerichtet: Die Mombacher Hochstraße war das erste Teilstück einer geplanten Stadtkerntangente. Diese sollte einmal quer durch die City laufen – beginnend westlich an der Schiersteiner Brücke, am Hauptbahnhof vorbeiführend, die Oberstadt unterirdisch querend, um schließlich im Osten an der Weisenauer Brücke auf die Autobahn 60 zu treffen. Der kühne Plan wurde schon in den 1970er Jahren verworfen, außer dem Teilstück der Mombacher Hochstraße wurde damals nur noch ein kurzer Abschnitt am Hauptbahnhof realisiert. Er wird bald das letzte Relikt der Mainzer Mobilitätsträume der 1960er sein. (db, 2.7.21)

Mainz, Zwerchallee (Bild: Daniel Bartetzko)