Meyers kollektive Gestaltung

In Dessau-Törten entstanden Laubenganghäuser nach Meyers Entwurf (Bild: M_H.DE, CC_BY_SA 3.0)
In Dessau-Törten entstanden Laubenganghäuser nach Meyers Entwurf (Bild: M_H.DE, CC_BY_SA 3.0)

Walter Gropius und Mies van der Rohe – diese Namen fallen wohl den meisten Architekturfreunden ein, wenn man sie nach den Direktoren des Bauhaus fragt. Sie sind heute untrennbar mit dem Prinzip Bauhaus verbunden. Fast vergessen ist dagegen Hannes Meyer, der 1928 als Gropius Nachfolger die Bauhausleitung übernahm und dieses Amt 1930 an Mies van der Rohe weitergab. Die Ausstellung „Das Prinzip coop – Hannes Meyer und die Idee einer kollektiven Gestaltung“ des Bauhaus Dessau widmet sich bis zum 4. Oktober 2015 dem fast vergessenen Direktor.

„Volksbedarf statt Luxusbedarf“ – das war Meyers Parole zum Amtsantritt. In den Dessauer Ateliers sollten kein Villen mehr entworfen werden, zentrale Aufgabe war nun die für jedermann erschwingliche „Volkswohnung“. Auch der Gestaltungprozess sollte dem Geist der Allgemeinheit entsprechen, Planungen kollektiv im „Prinzip coop“ entstehen. Meyer politisierte das Bauhaus wie nie – und zog damit auch den Hass der erstarkenden Nationalsozialisten auf sich. 1930 führte politischer Druck zur fristlosen Entlassung Meyers, der darauf versuchte, seine architektonischen Überzeugungen im Exil umzusetzen. Von der Praxistauglichkeit der von ihm am Bauhaus entworfenen Möbel für die „Volkswohnung“ können sich die Besucher selbst überzeugen: anlässlich der Sonderausstellung hat das Bauhaus entsprechende Tische und Stühle reproduzieren lassen! (jr, 2.8.15)