Berlin, Zentrale Tierlaboratorien, 1984 (Bild: © Georg Fischer)

Mit dem Mäusebunker nach Venedig

Es sind zwei Berliner Gebäude, die dem Brutalismus zugerechnet werden, die seit einigen Monaten an die ganz großen Fragen rühren: Welchen Wert hat die Architektur der Nachkriegsjahrzehnte? Wie viel Substanz müssen wir erhalten, um weder unser kulturelles Gedächtnis noch unsere Ressourcen zu verlieren? Und wie lassen sich die Ansprüche von (Bau-)Kunst und Nutzungswillen miteinander versöhnen? Das Tierversuchslabor der FU Berlin, liebevoll „Mäusebunker“ genannt, wurde zwischen 1971 und 1981 von Gerd und Maria Hänska errichtet. Der Bau wurde, ebenso wie das Anfang 2021 unter Schutz gestellte Institut für Hygiene und Mikrobiologie (Fehling+Gogel, 1974), lange auf Abriss hin diskutiert. Doch genauso lange wird über Fachkreise hinaus über ihren Wert gesprochen, über die Möglichkeiten ihres Erhalts. Mit der Ausstellung „Mäusebunker & Hygieneinstitut: Experimental Setup BERLIN Architetture di G+M Hänska I Fehling + Gogel“, kuratiert von Ludwig Heimbach, sollen diese Themen nun auch in Venedig in den Mittelpunkt gerückt werden.

Collage: Versuchsanordnung Mäusebunker&Hygieneinstitut (Bild: © Ludwig Heimbach)

Collage: Versuchsanordnung Mäusebunker&Hygieneinstitut (Bild: © Ludwig Heimbach)

Anlässlich der 17. Architekturbiennale in Venedig hat die dortige Universität (IUAV) eine Einladung nach Berlin ausgesprochen: Die bereits im Herbst 2020 in der Hauptstadt gezeigte Ausstellung der dortigen BDA Galerie soll vom 7. September bis zum 7. Oktober 2021 in der „sala espositivo Gino Valle“ der IUAV (Cotonificio Veneziano, Dorsoduro 2196 30123 Venezia) zu sehen sein. Dafür wurde die Berliner Präsentation eigens aktualisiert. Neben Plänen und Unterlagen der Bauzeit geht es hier ebenso um die heutige Aneignung der beiden brutalistischen Architekturen in der Popkultur und in der Erhaltungsdebatte. Teil der Schau sind daher auch künstlerische Positionen von Julian Rosefeldt, Lothar Hempel, Kay Fingerle, Tracey Snelling und Andreas Fogarasi sowie Arbeiten von Studierenden des KIT Karlsruhe, der ETH Zürich, der Bauhaus Universität Weimar, der TU Berlin, der Aarhus School of Architecture, der ENSAP Bordeaux und der Estonian Academy of Arts. Die Vernissage ist geplant für den 7. September 2021 um 17:30 Uhr, eine Diskussionsveranstaltung für den 23. September 2021 um 14.30 Uhr, die Finissage für den 7. Oktober 2021 um 17.30 Uhr. (kb, 20.5.21)

Berlin, Experimental Setup einer Ausstellung zum Mäusebunker und zum Hygieneinistitut (Bild: © Ludwig Heimbach)

Berlin, die Ausstellung „Experimental Setup“ (Bild: © Ludwig Heimbach)

Titelmotiv: Berlin, Zentrale Tierlaboratorien, 1984 (Bild: © Georg Fischer)