Ende September sind Wahlen in Berlin und eines der größten Themen ist natürlich das Wohnen in der Stadt. Zur Wohnungsfrage in der Hauptstadt haben sich kluge Köpfe auch schon vor über 100 Jahre Gedanken und gemacht und sind zu Ergebnissen gekommen, von denen wir heute nur träumen können. Daher die subjektive Empfehlungsauswahl für den Tag des offenen Denkmals 2026 in Berlin: drei nicht ganz so bekannte Siedlungen des 20. Jahrhunderts.
Chronologisch gesehen geht es los mit der Genossenschaftssiedlung Lindenhof in Schöneberg. Die Reform-Grtenstadt mit ihrer großzügigen Park- und Teichanlage, 1918–1921 nach Plänen von Martin Wagner, Bruno Taut und Leberecht Migge erbaut, entstand als erstes typisiertes und rationalisiertes Großsiedlungsprojekt von Reihen- und Mehrfamilienhäusern nach dem Ersten Weltkrieg. Am Samstag, 12. September 2026, finden um 13:00 Uhr Führungen zur Geschichte der Genossenschaftsbewegung, Selbstversorgungselementen und der städtebaulichen Transformation vom Kaiserreich bis zur Nachkriegszeit statt. Treffpunkt ist vor dem cooperativ Werkraum in der Eythstraße.
„Der eine Ort“ wird das Buch heißen, das die Künstlerin Karin Danyel derzeit über die Siedlung Elsengrund in Berlin-Köpenick schreibt und aus dem sie am Samstag, 12. September 2026 vor Ort in der Siedlung lesen wird. Ab 12 Uhr beginnt der Verein „Bürger für das Märchenviertel und den Elsengrund e.V.“ den Tag des offenen Denkmals am Essenplatz im Zentrum der Siedlung. Elsengrund, von 1919 bis 1922 nach Plänen von Rudolf Otto Salvisberg erbaut, gilt als die „kleine Schwester“ der bekannteren Werksiedlung in Piesteritz, und nimmt eine vermittelnde Position in Salvisbergs architektonischem Werk ein: Hier konnte er im Kleinen erproben, was er später mit der Weißen Stadt und der Waldsiedlung Zehlendorf in größerer Dimension zur Entfaltung brachte. Unter diesem Gesichtspunkt führt Karin Danyel ab 14 Uhr durch die Siedlung und liest anschließend aus dem Buch. Anmeldung ist nicht erforderlich.
Das Evangelische Gemeindezentrum in der Ost-Berliner Siedlung „Am Fennpfuhl“, gebaut ab 1973, wurde im Jahr 2026 neu auf die Berliner Denkmalliste aufgenommen. Der Kirchbau entstand im Rahmen des DDR-Sonderbauprogramms „Kirchen für neue Städte.“ Obwohl beim Aufbau des Wohngebietes zunächst keine Kirche vorgesehen war, konnte durch das Engagement der 1976 gegründeten Gemeinde das Zentrum verwirklicht und 1984 eingeweiht werden. Am Samstag und Sonntag um 12 Uhr führt ein Fachreferent des Landesdenkmalamtes durch die Kirche und stellt die architektonischen, gestalterischen und geschichtlichen Besonderheiten vor. Keine Anmeldung erforderlich. (pk, 8.9.26)

Berlin, Siedlung Elsengrund, Architekt: Otto Rudolf Salvisberg, 1919–1922 (Bild: Postkarte, Privatsammlung)

