Moskauer Metro wird 80

Die Metrostation Komsomol'skaja begrüßt die Moskauer Pendler mit Stuck und Kronleuchter (Bild: Lite)
Die Metrostation Komsomol’skaja begrüßt die Moskauer mit Stuck und Kronleuchter (Bild: Lite, CC-BY-SA 3.0)

Für eine alte Dame wirkt sie ziemlich agil: Um die 2,4 Milliarden Passagiere befördert die Metro in Moskau jährlich. Und trotz ihres Alters legt sie großen Wert auf ihr Äußeres. Statt Graffiti und übergroßen Werbeplakaten präsentiert sie den Pendlern Kronleuchter, Mosaiken und kitschigen Stalinbarock. Für die realsozialistische Welt galt sie als „Mutter aller Metros“: Von Kiew bis Pjöngjang orientierten sich die U-Bahn-Planer am Moskauer Vorbild.

Heute darf die Metro in keinem Moskau-Reiseführer mehr fehlen und erfreut sich unter den Besuchern der russischen Hauptstadt großer Beliebtheit. Der Bau der Metro war eines der Prestigeprojekte der sowjetischen Führung während der forcierten Industrialisierung der UdSSR Anfang der 1930er Jahre. Während man oberirdisch noch heftig über die städtebauliche Zukunft des „Neuen Moskau“ stritt, wurden unter der Erde in einem Gewaltakt Fakten geschaffen. Die prächtigen Metrostationen kollektivierten als volkseigene Paläste, so die Propaganda, den Luxus der ehemaligen Oberschicht. Drüber hinaus sollten sie die Arbeiter wohl auch für manches gebrochene Versprechen der Revolution entschädigen. Im Frühjahr 1935 wurde die erste Teilstrecke der „schönsten Metro“ der Welt eingeweiht. (jr, 13.3.15)