Ein Online-Voting frag: "Muss das Logo weg?"(Bild: surveymonkey.com)

Muss Ernst Neger weg?

Muss Ernst Neger weg?

Ein Online-Voting frag: "Muss das Logo weg?"(Bild: surveymonkey.com)
Eine studentische Aktion engagiert sich gegen das Neger-Zeichen – und ein Online-Voting fragt: „Muss das Logo weg?“ (Bild: surveymonkey.com)

Auch der Außermainzer dachte beim Stichwort „Ernst Neger“ lange an „Heile heile Gänsje“ oder „Humbta tätärä“, denn der „singende Dachdeckermeister“ (1909-89) bereicherte die Fastnachtssendungen der Nachkriegszeit um einige Ohrwürmer. Doch wird seit kurzem eine andere Diskussion um den Namenszug geführt: Der Handwerksbetrieb „Ernst/Thomas Neger“, nach gut 100 Jahren in Mainz alteingesessen, führt seinen Namen bildlich im Logo: Über einem Dach, das zugleich das Baströckchen der Figur sein könnte, erhebt sich ein stilisierter hammerschwingender „Eingeborener“ – mit Glatze, wulstigen Lippen und übergroßen Ohrlöchern.

Manche Betrachter meinen, darin deutlichen Rassismus zu erkennen. Und ebenso wie der Schokoladenfabrikant Sarotti solle man von solchen Überresten kolonialer Wertvorstellungen lieber Abstand nehmen und das Werbezeichen entfernen. Die Nachkommen Ernst Negers – auch sein Enkel Thomas singt sich erfolgreich durch die Fastnacht – verweisen darauf, dass Ernst Neger selbst das Emblem vor Jahzehnten ohne jeden rassistischen Unterton eingeführt habe. An einen Verzicht sei daher nicht zu denken. Sobald die Mainzer Schilderdebatte abgeklungen sein dürfte, bleibt wieder mehr Zeit für die schönen Seiten des Phänomens Ernst Neger – etwa für eines seiner Liedwerke wie „Ich stemm‘ die Fleischwurst mit einer Hand“. (kb, 15.4.15)