Urban Terrazzo (Bild: © Hannes Wiedemann)

Nach kaputt kommt Terrazzo

Wenn Sie mit Upcycling nur Altdosen-Brillenetuis und umhäkelte Zuckerdosen verbinden, dann hätten wir hier eine Neuigkeit: Urban Terrazzo. Der besondere Fußbodenbelag wurde bereits in der Antike gefertigt. In einen zementgebundenen Estrich werden dekorative Zuschlagstoffe eingearbeitet und nach dem Aushärten geschliffen. Um die Jahrhundertwende war Terrazzo beliebt u. a. in Entrées und Treppenhäusern. In der Nachkriegsmoderne kamen dann terrazzoähnliche Fußbodenplatten auf, die sich günstiger produzieren und unkomplizierter verlegen ließen.

Die beiden Berlinerinnen Sasa Weber und Luisa Rubisch geben dieser Tradition nun einen neuen Dreh: Mit ihrem preisgekrönten Architekturkollektiv „TFOB – They Feed Off Buildings“ gewinnen sie die Zuschlagstoffe des „Urban Terrazzo“ aus modernem Bauschutt. „Wenn man den aufschneidet, hat er eine sehr schöne Färbung, weil ja viel Nachkriegsschutt in Berlin verbaut wurde“, erklärt Weber gegenüber „Spiegel Online“. So kommen Beton, Naturstein und Kupfer – auf die passende Größe zerkleinert – zu neuen Ehren. Noch ist der Produktionsumfang überschaubar, damit sind aber auch individuelle Aufträge möglich. Auf Kundenwunsch wurden schon die baulichen Überreste des Hauses der Großmutter zum Fußbodenbelag für den eigenen Neubau verarbeitet. Moderne Architektur am originalen Stück wäre uns ja lieber. Aber wenn schon Abriss, dann wäre hier die stilvolle Variante des Nachlebens. (kb, 13.3.19)

Urban Terrazzo (Bild: © Hannes Wiedemann)