Kirchbrak, Amco-Gebäude 2019 (Bild: Axel Hindemith, CC BY SA 3.0)

Neuer Gropius unter Denkmalschutz

Im niedersächsischen Kirchbrak wurde ein Industriebau frisch unter Denkmalschutz gestellt – und alle freuen sich. Denn es handelt sich beim Entwurfsverfasser um keinen Geringeren als Walter Gropius, der bauhausjahrgedingt gerade wieder hoch im Kurs steht. Das Fabrikgebäude der Holzbearbeitungs-Firma August Müller und Co. (AMCO), das in vielen Details an das ikonische Fagus-Werk erinnert, wurde 1925/26 errichtet und 2017 (vorerst) stillgelegt. Als Bonus gibt es einen weiteren Großmeister obendrauf: Die Bauunterlagen des verglasten Stahlskelettbauwerks wurden von Ernst Neufert unterzeichnet, der damals bei Walter Gropius angestellt war, ehe er 1926 als Professor für Planung an die neue Bauhochschule Weimar wechselte.

Der ortsansässige Ingenieur Günter Staeffler hat das Denkmalamt schon vor Jahren erfolglos auf den Bauhaus-Bau hingewiesen. Ein Beitrag von Wilhelm Klauser in der Bauwelt 16.2018 hat wohl endlich Bewegung in die Sache gebracht, und schließlich berichtete der NDR Ende März 2019 über das erste Gebäude, das das Atelier Gropius nach dem erzwungenen Wegzug aus Weimar realisierte. Bereits im Sommer diesen Jahres hatte die aktuelle Eigentümerin gegenüber der Presse erklärt: Mittelfristig wolle sie verkaufen – aber nur an Menschen, die mit dem Bau Besonderes vor hätten. (Bis dahin hat die 79-Jährige gerade ein neues kleines Unternehmen gegründet.) Nun steht der vergessene Bau unter Schutz und die Kommune geht auf Fördermittelsuche für eine touristische Nutzung. Gegenüber dem NDR zeigte sich der Bürgermeister vor wenigen Tagen optimistisch: „Erste Gespräche dazu seien vielversprechend verlaufen“. (kb, 30.11.20)

Kirchbrak, Amco-Gebäude 2019 (Bild: Axel Hindemith, CC BY SA 3.0)